Sport : Neue Försterei

Karsten Doneck

Alles hat seinen Preis. In diesem Fall dreht es sich um 21 Millionen Euro. Für diese Summe, so sieht ein vom Bezirk Treptow-Köpenick in Auftrag gegebenes Gutachten vor, ließe sich das marode Stadion des 1. FC Union An der Alten Försterei in eine moderne Fußball-Arena umwandeln: rundum überdacht, Platz für 25 349 Zuschauer, Rasenheizung - und ein Parkhaus für 3000 bis 4000 Pkw gleich nebenan. Heiner Bertram, der Union-Präsident, hat sich nun in einem Schreiben an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gewandt, um in den höheren politischen Kreisen dieses Konzept vorzustellen und natürlich auch, um dort das nötige Geld zur Umsetzung der Ideen lockerzumachen.

Die Zeit drängt. "Bei uns kann es ja sein, dass der sportliche Erfolg sehr schnell die strukturellen Gegebenheiten überrundet. Dann stehen wir ganz dumm da", sagt Bertram und spricht damit das an, was die Fans schon seit längerem auf einem Transparent zum Ausdruck bringen. Dort steht geschrieben: "Vorsicht! Aufstiegsgefahr!" Es ist in der Tat nicht auszuschließen, dass Union bald dem Stadtrivalen Hertha BSC in der Ersten Bundesliga Gesellschaft leistet, von der Infrastruktur her dann aber immer noch auf unterem Zweitliga-Level hinterherhinkt.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Nun weiß natürlich auch Bertram ganz genau, dass mit der Verteilung öffentlicher Gelder seit geraumer Zeit an allen Ecken und Enden geknausert wird. Aber wer die sportliche Konkurrenz mit Hertha BSC nicht scheut, der nimmt sich auch schon mal das Recht heraus, die finanziellen Bedürftigkeiten zu vergleichen. "Bei Hertha wurden acht Millionen Mark in ein Jugendinternat investiert, bei Union gerade mal 400 000 Mark für die Instandhaltung der Alten Försterei", sagt Bertram. Er kommt zu dem Schluss: "Unser Stadion kann man doch einem normalen Zuschauer gar nicht mehr anbieten. Allein wer da an regnerischen Tagen durch den Schlamm bis zu den Stadiontoren läuft - das muss ja schon ein ganz hartgesottener Fan sein", so der Präsident.

Mit Flickschusterei oder einer Stadionsanierung auf Raten will sich Union nicht mehr abfinden. "Das Stadion muss generell angefasst werden", fordert Bertram. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat der Union-Präsident übrigens eine Kopie des Schreibens an Klaus Wowereit auch gleich noch an Berlins Wirtschaftssenator Gregor Gysi geschickt. "Der", so Bertrams stille Hoffnung, "weiß, worum es geht."

Sportlich untermauern will der 1. FC Union die Dringlichkeit der Stadionfrage morgen (15 Uhr, Alte Försterei) mit einem Sieg über Arminia Bielefeld. Vor wahrscheinlich großer Kulisse. "Wenn zu so einem Spitzenspiel nicht mindestens 15 000 bis 18 000 Zuschauer kommen, dann habe ich natürlich auch schlechte Argumente gegenüber Herrn Wowereit", weiß Bertram.

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