Sport : Neue Führungskraft

Der Serbe Marko Pantelic stellt sich bei Hertha vor

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Marko Pantelic trägt ein weißes Hemd, dazu eine blaue Jeans. Der 26-jährige Serbe hat seine langen Haare mit viel Gel nach hinten gekämmt. Er wirkt deutlich jünger als 26, er hat weiche Gesichtszüge. Ansonsten macht der neue Stürmer von Hertha BSC aber einen reifen Eindruck. Der Serbe drückt sich gewählt aus, er spricht ausgezeichnet Englisch. In ruhigem Ton spricht Pantelic über seine Ziele mit den Berlinern. Unangenehme Fragen weiß Pantelic geschickt zu umgehen. Beispielsweise die Frage, weshalb er in seiner jungen Karriere bereits für neun Klubs in sieben Ländern gespielt habe. „Ich war noch jung und wollte mich finden“, sagt Pantelic. „Jetzt habe ich Familie und bin professionell geworden.“ Seinen ersten Profivertrag hat Pantelic unterschrieben, als er 15 Jahre alt war.

Die Verpflichtung des 1,83 Meter großen und 80 Kilogramm schweren Mittelstürmers wurde am Dienstag bekannt gegeben. Pantelic wird von Roter Stern Belgrad zunächst nur für diese Saison ausgeliehen, allerdings enthält der Vertrag des 26-Jährigen eine Kaufoption. Danach könnte Hertha Pantelic für weitere drei Jahre unter Vertrag nehmen. Über die Kosten für das Ausleihgeschäft wollte sich Herthas Manager Dieter Hoeneß nicht äußern.

Die fußballerische Qualität des Stürmers scheint hoch: In der vergangenen Saison war Pantelic mit 21 Treffern Torschützenkönig von Serbien und Montenegro. Vor seiner Zeit in Belgrad spielte er unter anderem für Aris Saloniki, für Paris St. Germain und für Sturm Graz. Doch ist der neue Hertha-Stürmer auch charakterlich geeignet? Durch unangebrachte Äußerungen und Anpassungsschwierigkeiten fiel Pantelic bei seinen Klubs häufig auf. „Als er jung war, hat er vielleicht den einen oder anderen Fehler gemacht, aber in letzter Zeit hat er sehr professionell gearbeitet“, sagt Hoeneß. „Für uns ist aber seine Zukunft wichtig.“

Falko Götz hält Pantelic charakterlich für sehr geeignet. Der Serbe soll bei Hertha sogar eine Führungsrolle übernehmen. „Er war Kapitän in Belgrad“, sagt Herthas Trainer. „Es gehört einiges dazu, um in dem Alter in solch einem Verein schon Kapitän zu sein.“ Für die nächsten Spiele wird Pantelic im Angriff wohl gesetzt sein. „Wir haben ihn schließlich nicht für die Regionalliga geholt“, sagt Götz.

Dieter Hoeneß hat sich nach eigenen Angaben intensiv im Umfeld des Serben umgehört. „Walter Zenga ist neuer Trainer in Belgrad. Er hat mir erzählt, dass Marko Pantelic in der Vorbereitung alles gegeben hat. Obwohl sich sein Wechsel ins Ausland bereits abzeichnete, hat er Belgrad in den Europapokal geschossen.“ Dieses große Engagement bei Roter Stern Belgrad ist für Hertha jedoch auch ein Nachteil: Weil er in der Uefa-Pokal-Qualifikation spielte, darf Hertha ihn im Europapokal nicht einsetzen. Zumindest nicht bis zum 31. Dezember. „Die Uefa prüft gerade, ob wir ihn danach vielleicht doch noch einsetzen dürfen“, sagt Dieter Hoeneß.

Zwei andere Personalien entschieden sich gestern auch: Herthas polnischer Angreifer Artur Wichniarek wird in Berlin bleiben. „Das mit dem Wechsel klappt nicht“, sagte er gestern am späten Nachmittag. Für den polnischen Angreifer lag ein Angebot eines englischen Profiklubs vor. Wichniarek ist in Berlin mit einem lukrativen Vertrag ausgestattet. Deshalb ist für Hertha eine Verpflichtung des brasilianischen Stürmers Anderson Costa finanziell unmöglich geworden.

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