Sport : Neue Handtücher

Im DFB-Pokal sanieren sich die unterklassigen Vereine

Daniel Pontzen

Aachen. Vergangenen Sommer hatte Jörg Schmadtke gute Neuigkeiten für seine Mannschaft. In den Jahren zuvor hatten die Spieler von Alemannia Aachen eigene Handtücher zum Training mitbringen müssen, das Geld war knapp. Nun aber schritt der Sportdirektor in die Kabine und verkündete die frohe Botschaft: Es werde einen kompletten Handtuchsatz für die Mannschaft geben. Doch die Beschriftung mit Filzstift wurde verboten, weil die Handtücher im Folgejahr für die Amateure vorgesehen waren.

Neben der Fürsorglichkeit der Verantwortlichen offenbarte die Textilspende, welche Ausmaße die Finanznöte vieler Profiklubs angenommen haben. Gesunkene Fernseheinnahmen infolge der Kirch-Insolvenz, aufgeblähte Kader als Erbgut der fetten Jahre und Misswirtschaft vorheriger Vereinsführungen haben nicht nur bei dem Traditionsverein aus dem Westen zu einem enormen Schuldenberg geführt.

Der DFB-Pokal, in dessen 70-jähriger Geschichte bislang nie mehr Zweitligisten das Viertelfinale erreicht haben als in diesem Jahr, bietet den kleineren Vereinen die einmalige Gelegenheit, entstandene Löcher zuzuschütten. „Der Pokal bietet die Chance, seine Saisoneinnahmen nahezu zu verdoppeln“, sagt Alemannias Geschäftsführer Bernd Maas, „in sieben Spielen kann man dort beinahe dasselbe verdienen wie in einer kompletten Zweitligasaison.“ Auf rund drei Millionen Euro summieren sich die Einnahmen der Endspielteilnehmer, bei den 34 Spielen einer Zweitliga-Saison kommt ein vergleichbarer Betrag zustande. Alemannias Brutto-Einnahmen belaufen sich allein für das Spiel am Mittwoch gegen Bayern München (20.30 Uhr, live im ZDF) auf etwa 840.000 Euro. „Mit dem Finaleinzug könnten wir mit einem Schlag einen großen Teil unserer Schulden tilgen“, sagt Maas. Der Stand der Verbindlichkeiten beträgt anderthalb Jahre nach der drohenden Insolvenz rund zwei Millionen Euro.

Alle acht noch verbliebenen Vereine erhalten von den TV-Anstalten 598 000 Euro, hinzu kommt Geld aus der Zentralvermarktung durch den Deutschen Fußball-Bund und die Hälfte der Zuschauereinnahmen.

Die Aachener haben sich dank des Viertelfinaleinzugs und einer starken Hinrunde, die zusätzliche Zuschauer- und TV-Einnahmen bescherte, von den ärgsten Nöten befreit. In der Winterpause verpflichtete der Klub sogar einen teuren Neuzugang. Leistungsmerkmale: 408 PS, 18 Tonnen Gesamtgewicht. Im alten Mannschaftsbus saßen die Spieler wegen defekter Heizung bisweilen mit Winterjacken in den ersten Reihen. Natürlich leisteten sich die Aachener das Gefährt nicht zum Neupreis Das Vehikel stammt vom ehemaligen Ligakonkurrenten SSV Reutlingen, genauer: aus dessen Konkursmasse.

Wer den Tabellendritten der Zweiten Liga in Zukunft verstärken wird, hängt auch vom Ausgang des heutigen Spiels ab. Ein anderes Problem haben die Alemannen schon gelöst: die Sache mit den Handtüchern. Man einigte sich darauf, jedes einzelne mit einer Nummer zu beflocken. Wer seines verliert, muss zahlen: Vier Euro Fünfzig.

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