Sport : Neue Helden

Alonso, Räikkönen, Massa: Wer wird die Formel 1 nach dem Rücktritt des Rekordweltmeisters prägen?

Karin Sturm

Sao Paulo - Wenn eine Ära zu Ende geht, hat eine andere schon begonnen. Nach dem Karriereende von Michael Schumacher sucht die Formel 1 den Piloten, der die Nachfolge des Rekordweltmeisters antreten wird. Die beste Chance, die Formel 1 nach der Ära Schumacher zu prägen, hat sicherlich Fernando Alonso. Nicht nur, weil der 25-Jährige Michael Schumacher als Weltmeister abgelöst hat. Der Spanier verfügt gemessen an seinem Alter bereits über ein erstaunliches Selbstbewusstsein, das sich auch darin manifestierte, dass er bereits 2005 seinen Wechsel von Renault zu McLaren-Mercedes ohne das Wissen seines Managers und bisherigen Teamchefs Flavio Briatore initiierte.

Wenn es um das Rennfahren geht, ist Alonso ohnehin längst in Schumachers Liga aufgestiegen. In den Kategorien Einsatzwillen und Rennübersicht steht er dem Rekordweltmeister in nichts nach, außerdem unterlaufen ihm praktisch keine Fehler.

Die größte Konkurrenz wird Alonso im nächsten Jahr vermutlich vonseiten des neuen Ferrari-Paars Kimi Räikkönen und Felipe Massa erfahren. Der junge Brasilianer entwickelte sich gerade in der zweiten Hälfte dieser Saison deutlich weiter und zeigte sich Michael Schumacher zumindest in Sachen Geschwindigkeit ebenbürtig. Mehr noch: „In den letzten Rennen war Massa für mich schneller als Michael“, sagte Flavio Briatore. Durch seinen ersten Sieg in der Türkei sind bei dem 25-Jährigen auch Ausstrahlung und Selbstbewusstsein gewachsen. Schumacher adelt seinen letzten Teamkollegen, indem er ihm „eine große Zukunft“ voraussagt.

Im internen Duell mit Räikkönen bei Ferrari hat er darüber hinaus sicherlich den Vorteil, das Team schon gut zu kennen, perfekt Italienisch zu sprechen. Mit seiner impulsiven Art passt er auch sehr gut in das Team, das durch den Weggang des Technischen Direktors Ross Brawn, der wohl mindestens ein Pausenjahr einlegt, eher wieder ein bisschen italienischer wird als in der Schumacher-Ära. Wie gut der als reserviert geltende Kimi Räikkönen, der andererseits zu Eskapaden mit Alkohol-Beteiligung und nicht unbedingt immer überragendem Arbeitseifer neigt, mit dieser Mentalität zurechtkommen wird, muss sich zeigen. Selbst sein finnischer Landsmann Häkkinen hat leichte Zweifel daran, dass Räikkönen es schaffen wird, sein unbestrittenes Talent auch in adäquate Erfolge umzusetzen.

Hinter diesen dreien wartet bereits die nächste junge Generation. Der interessanteste Vertreter aus deutscher Sicht ist Nico Rosberg, dem fast alle Experten zutrauen, ein ganz Großer zu werden. Allerdings sitzt der 21-Jährige im Williams – und damit noch im falschen Auto. Noch einen Schritt dahinter, aber ebenfalls mit besten Perspektiven, steht Sebastian Vettel. Der 19 Jahre alte BMW-Sauber-Testpilot gilt als das größte Talent im deutschen Motorsport seit Michael Schumacher. Nicht zu vergessen auch noch eine ganze Reihe junger Talente, die auf dem Sprung in die Formel 1 sind, zum Teil auch schon ihre ersten Schritte hinter sich haben, von Michael Ammermüller über Timo Glock bis zu Adrian Sutil und Markus Winkelhock.

Bei den jungen Piloten ohne deutsche Staatsbürgerschaft hat der Pole Robert Kubica als Ersatz des früheren Weltmeisters Jacques Villeneuve bei BMW schon in dieser Saison bewiesen, dass er auf jeden Fall zur Generation Zukunft gehört. Im kommenden Jahr werden dann bei Renault Heikki Kovalainen und mit ziemlicher Sicherheit auch Lewis Hamilton bei McLaren-Mercedes hinzukommen. Hamilton, der diesjährige Sieger der Nachwuchsserie GP2, hat alles, was es zum künftigen Superstar braucht – nicht nur, weil der Engländer der erste dunkelhäutige Formel-1- Pilot sein wird. Auch Nelson Piquet junior wird wahrscheinlich schon nächstes Jahr in der Formel 1 zu sehen sein. Renault-Teamchef Flavio Briatore hat angekündigt, dass er den Sohn des dreimaligen Weltmeisters Nelson Piquet als Testfahrer ins Team holen will. Und der nächste Brasilianer mit großem Namen und großem Talent will spätestens in zwei Jahren in der Formel 1 sein: Bruno Senna, der Neffe des 1994 tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna.

Nachfahren Michael Schumachers muss die Formel 1 hingegen so bald nicht erwarten. Sein Sohn Mick ist erst sieben und interessiert sich außerdem eher für Eishockey.

0 Kommentare

Neuester Kommentar