Sport : Neue Hierarchie

Nando Rafael stürmt an der Konkurrenz vorbei

Stefan Hermanns

Berlin - Heute Abend kann sich Nando Rafael seine Vergangenheit wieder im Fernsehen anschauen. Dann spielen seine alten Freunde Wesley Sneijder und Nigel de Jong mit Ajax Amsterdam in der Champions League gegen Tel Aviv. Rafael hat mit den beiden holländischen Nationalspielern die Jugendausbildung bei Ajax durchlaufen, doch als der Angolaner keine Aufenthaltsgenehmigung für die Niederlande mehr bekam, haben sich die Wege im Sommer 2002 getrennt. Auch sportlich. Rafael ging zu Hertha BSC, wurde als großes Talent erkannt, die Bestätigung aber, dass er mehr sein kann, steht noch aus. Am vorigen Wochenende immerhin ist Rafael seinen Freunden von Ajax sportlich wieder ein bisschen näher gekommen.

Bei Herthas 3:1-Sieg gegen den SC Freiburg erzielte der 20-Jährige kurz vor der Pause das 1:1. Es war das erste Tor eines Berliner Stürmers seit 690 Spielminuten, das zweite in dieser Saison. Und zum ersten Mal seit fast einem Jahr, seit dem 2:1 gegen Mönchengladbach, gelang es Hertha, ein Spiel nach einem Rückstand zu drehen. „Es war einfach ein gutes Gefühl“, sagt Rafael.

Ein wenig überraschend hatte Trainer Falko Götz Rafael anstelle von Fredi Bobic in der Startelf aufgeboten. Zuletzt hatte er am fünften Spieltag von Anfang an gespielt. Doch das Spiel gegen Stuttgart war für ihn schnell beendet. Kurz vor der Pause sah er die Gelb-Rote Karte, weil er nach einer Spielunterbrechung den Ball weggeschlagen hatte. „Dumm“, sagt Rafael. „Aber ich bin ein Spieler, der viele Emotionen hat.“ Das hat Falko Götz auch im Training erlebt, im Positiven und im Negativen. „Wechselnde Reaktionen“ habe Rafael auf seine Situation gezeigt, mal trotzig angegriffen, mal scheinbar resigniert. In Herthas neuem System ist nur Platz für einen Stürmer. Drei Bewerber – Bobic, Wichniarek und Rafael – gibt es für die Position, und bisher war der Angolaner nur die Nummer drei. Das könnte sich jetzt erst einmal geändert haben.

„Er hat seine Chance bekommen“, sagt Götz. „Und er hat sie genutzt.“ In der Regel bewerten Trainer die Leistung eines Stürmers nicht nur an der Zahl seiner Tore. Die Beteiligung an der Defensivarbeit fließt ebenfalls in ihr Urteil ein. Angesichts der Dauerdiskussion um die Erfolglosigkeit von Herthas Stürmern hat Rafael sich mit seinem Tor gegen Freiburg jedoch auch bei Götz eine neue Jobperspektive geschaffen. Gegen Bremen am Samstag wird er vermutlich wieder von Anfang an spielen. „Er hat sich selbst einen Gefallen getan“, sagt Götz. Hertha auch.

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