NEUE KLASSIKER Die WM der alten Bekannten beginnt : Gestatten: Großer Fußball

Maradona gegen Deutschland.
Maradona gegen Deutschland.Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Deutschland gegen England – das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft in Südafrika. Vergessen die Zähigkeit der Vorrunde, vorbei die Antispiele wie Südkorea gegen Griechenland oder Algerien gegen Slowenien, passé die Favoritenpleiten, die bange Frage, „ob das wohl wieder so wird wie 2002“.

2002. Die WM, die keine war. Ein Turnier wie ein Kinderspielplatz, eine Hüpfburg für die Kleinen. Paraguay, USA, Südkorea – der deutsche Weg ins Finale. England, Argentinien – so klingt der Fußball! Die Euphorie dürstet es nach großen Namen.

Deutschland gegen Argentinien. Holland gegen Brasilien. Spanien gegen Portugal. Gestatten: Fußball mein Name. Großer Fußball. Lasst ihn uns betrachten! Lasst uns hoffen, verzagen, freudespringen und weinen – lasst die Legenden los!

Es sind Ansetzungen mit mythischem Klang. Brasilien gegen die Niederlande, das unvergessene 98er-Halbfinale von Marseille. Die Einserkandidaten der Ajax-Schule gegen eine Melange aus Sachbearbeitern und begnadeten Flughafendribblern: Dunga und Leonardo featuring Rivaldo, Roberto Carlos und Ronaldo. Welche Namen! Welch ein Spiel!

Oder das ewige Duell Deutschland gegen Argentinien: Maradona und Burruchaga, Völler und Rummenigge, Brehme und Lehmann. Eine Paarung wie ein Saunaaufguss im Hochsommer.

Wer wollte das Portugal Eusebios vergessen, wer die spanischen Kleinkünstler von Butragueño bis Raúl? Wer Cruyffs Dribblings, Zicos Zaubertore, Maradonas Meisterstücke, wer Matthäus' Traumpass und Kloses Kopfballtor? All diese ewigen Momente werden in den nächsten Tagen über Südafrika schweben – nicht wie ein Schatten, sondern wie ein gleißendes Flutlicht der Vergangenheit. Die vierte Dimension derer, die den Fußball lieben.

So schön der Gedanke ist, Weltmeisterschaften in Fußballentwicklungsländer zu vergeben und das Teilnehmerfeld künstlich aufzublähen – am Ende werden es doch stets die großen Namen sein, die Weltmeister und Beinahe-Weltmeister, die legendenumrankten Länder, die diesen Sport geprägt haben, die allein einem solchen Turnier seinen Glanz verleihen können.Johannes Ehrmann

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