Sport : Neue Kleider, altes Zeug

Der Bundestrainer genehmigte sich noch schnell ein Bier, sein Musterschüler ein Glas Sekt: Nach Olympia-Silber für Sven Hannawald hielten sich die deutschen Skispringer nicht mit langen Festivitäten auf. "Feiern bringt nichts", sagte Hannawald. Schon am Montag wartete das nächste Training auf die deutschen Springer, die sich für die Entscheidung auf der Großschanze neu ausstaffieren. "Sven und Martin Schmitt werden mit neuen Anzügen springen", kündigte Kotrainer Wolfgang Steiert an.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Die neue Arbeitskluft ist steifer als anderes Material und soll laut Steiert auf der sonniger gelegenen Großschanze von Vorteil sein. Michael Uhrmann und Christof Duffner testeten die Anzüge bereits auf der Normalschanze und befanden sie für gut; Hannawald und Schmitt traten noch mit dem alten Material an. Die Materialkommission des Internationalen Skiverbandes FIS hatte vor der ersten olympischen Sprung-Entscheidung die aerodynamischen Helme der Deutschen und Anzüge aus zwei verschiedenen Stoffen verboten. "Es wird viel Geld investiert, um Material zu entwickeln. Ständig werden wir mit unseren Vorschlägen abgewiesen. Es ist Zeit, das Reglement zu ändern", wetterte Steiert.

Ansonsten herrschte ausgelassene Freude. Hannawalds Silbermedaille war das beste deutsche Ergebnis auf einer olympischen Normalschanze seit 1984. Damals hatte Jens Weißflog in Sarajevo Gold gewonnen. "Wir haben auf der kleinen Schanze selten etwas reißen können", sagte Bundestrainer Reinhard Heß und ordnete den zweiten Platz hinter dem Überraschungssieger Simon Ammann (Schweiz) wie einen Sieg ein. "Ich bekenne mich zu dieser Mannschaft, die hervorragend gesprungen ist und Deutschland sehr gut vertreten hat", sagte Heß.

Der bekennende Großschanzen-Liebhaber Hannawald sieht sich nicht als logischen Favoriten für die 120-m-Schanze am Mittwoch. "Auch wenn jetzt von außen sehr viele so rechnen, dass ich nun automatisch Gold hole: Das ist ziemlich falsch", sagte er und wiederholte wie üblich zur Bekräftigung: "Ich versuche, mein Zeug zu machen."

Martin Schmitts Miene war nicht frei von Sorgenfalten. Platz sieben stellte ihn nicht zufrieden, zudem schmerzte sein Knie, in dem sich erneut die chronische Patellasehnen-Entzündung bemerkbar machte. Doch Mannschaftsarzt Dr. Ernst Jakob gab Entwarnung: "Ich denke nicht, dass das ein Problem werden kann."

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