Sport : Neue Nummer zwei gesucht

Timo Hildebrand kann nicht überzeugen

Stefan Hermanns

Nikosia - Timo Hildebrand zeigte sich exzellent vorbereitet auf den Ernstfall: Der Torhüter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verfolgte eine klare Strategie, doch das war auch schon das Beste, was man nach dem 1:1 der Deutschen auf Zypern über ihn sagen konnte. Hildebrands Strategie sah so aus, dass er die Fragen nach seiner Position in der Nationalmannschaft einfach nicht verstehen wollte. Dabei hätte sich der Torhüter des VfB Stuttgart ja denken können, was auf ihn zukommen würde nach dieser Leistung, die so wenig synchron ging mit seinen forschen Worten vor dem Spiel. Ob sich seine Perspektive jetzt verändert habe, wurde Hildebrand also gefragt. „Welche Perspektive?“, entgegnete er.

Bisher war Hildebrands Perspektive, dass er eines Tages, vermutlich nach der Europameisterschaft 2008, Jens Lehmann ablösen und neue Nummer eins der Nationalmannschaft werden würde. Nach dem Spiel auf Zypern deutet einiges darauf hin, dass die Nation vor einer neuen Torwartdiskussion steht, wobei es diesmal nur um die Position des Ersatzmannes geht. Als Hildebrands härteste Konkurrenten werden Robert Enke und Roman Weidenfeller gehandelt.

Vor dem Spiel auf Zypern war Lehmanns Ausfall den Deutschen noch als das geringste aller Übel erschienen; nach dem Spiel stellte sich heraus, dass das wirre Auftreten der Mannschaft bei Hildebrand seinen Anfang genommen hatte. Der Torhüter hinterließ einen äußerst fahrigen Eindruck. Bei jedem Rückpass wurde es gefährlich. Als kurz nach der Pause Konstantinos Charalampidis auf ihn zustürmte, wurde Hildebrand so nervös, dass er den Ball genau auf den Körper des zypriotischen Mittelfeldspielers schoss, und nur einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass er von dort nicht zum 2:1 für Zypern ins Tor flog.

„Kein gutes Spiel, kein schlechtes“, sagte der Torhüter über seine Leistung nach der Begegnung in Nikosia. Das war schon eine schöngefärbte Sicht der Dinge. Denn Hildebrand geriet auch in Verdacht, das Gegentor begünstigt zu haben, worüber man zumindest streiten kann. Bevor der Torhüter eingreifen musste, hatten sich die Fehler der deutschen Defensive bereits so sehr potenziert, dass der Torhüter eher Leidtragender als Schuldiger war. Aloneftis konnte von der linken Seite unbedrängt flanken, Okkas von der Strafraumgrenze unbedrängt schießen, „ich komm noch hin“, sagte Hildebrand, „aber eben nicht so, dass ich den Ball noch hätte zur Ecke abwehren können“. Bundestrainer Löw sprach den Torhüter später von persönlicher Schuld frei, Hildebrand selbst sagte: „Den kann man halten, muss man aber nicht.“ Die großen Torhüter der deutschen Nationalmannschaft hat es aber gerade ausgezeichnet, dass sie die Bälle gehalten haben, die man nicht halten musste.

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