Sport : Neue Ordnung

Holger Fach löst Ewald Lienen als Trainer in Gladbach ab

Richard Leipold

Mönchengladbach. Ein Kameramann nahm die unerwartete Spätschicht mit Humor: „Zu Hause wäre es doch langweilig gewesen.“ Borussia Mönchengladbach trug am Sonntag mit dem ersten Trainerwechsel der Saison am meisten dazu bei, dass es nicht langweilig wird in der Fußball-Bundesliga. Knapp 24 Stunden nach der 0:2-Niederlage in Hannover entließ der Verein seinen Cheftrainer Ewald Lienen und ernannte Holger Fach zu dessen Nachfolger. Die Entscheidung war am Sonntagvormittag gefallen. „Wir haben uns gemeinsam entschieden, diesen Wechsel vorzunehmen und die Reißleine zu ziehen“, sagte Präsident Adalbert Jordan, der zuvor mit seinen Präsidiumskollegen und Sportdirektor Christian Hochstätter getagt hatte. Der Vorstand sei davon überzeugt, „eine sehr gute Lösung gefunden zu haben“.

Laut Jordan ist Fach „ein analytisch und logisch denkender Trainer“. Er erhielt einen Vertrag bis Saisonende und wird heute zum ersten Mal das Training am Bökelberg leiten. Über seine Arbeitsweise sagte Fach, er sei kein Trainer, der sich über Systeme auslasse. Den Fans sei es letztlich egal, wie die Mannschaft spiele, ob modern oder unmodern. Sie müsse nur wieder Erfolg haben. Er wolle aber „attraktiven Fußball“ anbieten.

Lienen bekam bei einem Treffen in einem Mönchengladbacher Hotel mitgeteilt, dass er ab sofort von seinen Aufgaben freigestellt sei. Er habe die Nachricht enttäuscht, aber professionell aufgenommen, verlautete aus dem Präsidium. Obwohl er die Borussia in der vorigen Saison vor dem Abstieg gerettet hatte, endete Lienens Dienstzeit am Bökelberg nach nicht einmal sieben Monaten. Lienen war am 2. März als Nachfolger Hans Meyers verpflichtet worden. Die Verantwortlichen des Klubs haben ihm nicht mehr zugetraut, die vor Saisonbeginn ausgegebenen Ziele zu erreichen.

Als Fach am Sonntagnachmittag vor der Geschäftsstelle vorfuhr, bot sich eine Szene, die zum Anlass seines Einsatzes passte. Fach stellte sein Auto nicht auf dem kurzfristig frei gewordenen „Trainerparkplatz“ ab, sondern auf einem Parkplatz der Polizei. Seine erste Aufgabe ist es, bei Borussia die Ordnung in der zuletzt von Lienen durcheinander gewürfelten Mannschaft wieder herzustellen. Die Borussia hat zuletzt viermal nacheinander verloren.

Wie Lienen hat auch Fach einige Jahre für den Klub gespielt; später arbeitete er als Talentsucher und Trainer der Gladbacher Amateurmannschaft. Erst Ende August hatte der 41-Jährige die Borussia verlassen und beim Regionalligisten Rot-Weiß Essen angefangen, wo er sich mit drei Siegen einführte. Dennoch zögerte er nicht, das Angebot aus Gladbach anzunehmen. „Nach drei Wochen zu gehen ist ungewöhnlich“, sagte Fach. Aber die Chance, „zu den 18 Privilegierten in Deutschland zu gehören, die solch einen Job haben“, habe er sich nicht entgehen lassen können. In Essen so rasch aus dem Vertrag herauszukommen war nur Formsache. Fach hatte die Borussia vor drei Wochen nur unter der Voraussetzung verlassen dürfen, dass sein Vertrag einen solchen Passus enthält.

Der Wechsel von Lienen zu Fach war ähnlich sorgfältig vorbereitet wie vor etwas mehr als einem halben Jahr der Tausch von Meyer zu Lienen. „Wir haben schon am vergangenen Mittwoch nach dem Frankfurtspiel darüber nachgedacht, uns von Lienen zu trennen“, sagte Hochstätter. Fach war bereits als Nachfolger Meyers im Gespräch gewesen. Warum die Wahl dann doch nicht auf ihn gefallen war, wollte Hochstätter nicht erläutern.

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