Sport : Neue Pokalhelden

Die großen Zeiten des KFC Uerdingen liegen schon lange zurück. 1985 hat der Verein - noch als Bayer 05 - den DFB-Pokal gewonnen, bis Mitte der 90er Jahre spielte die Mannschaft regelmäßig in der Bundesliga, inzwischen aber ist der Klub nur noch drittklassig. In dieser Saison aber werden Erinnerungen an alte, in diesem Fall bessere Zeiten wach. In der zweiten Runde des DFB-Pokals gewannen die Uerdinger gestern Abend gegen Werder Bremen, die derzeitige Überraschungsmannschaft der Fußball-Bundesliga. Der Regionalligist setzte sich vor 7112 begeisterten Zuschauern in der Grotenburg-Kampfbahn mit 4:3 im Elfmeterschießen durch. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es nach Treffern von Tim Borowski für Werder und Thorsten Schmugge (Foulelfmeter) 1:1 gestanden. Den entscheidenden Strafstoß für die Gastgeber verwandelte Anton Vriesde. Für die Uerdinger war es bereits der zweite überraschende Erfolg im laufenden Pokalwettbewerb. In der ersten Runde hatten sie sich gegen Energie Cottbus durchgesetzt.

Der Vorstand des KFC hatte sämtliche Pokalhelden von 1985 als Glücksbringer in die Grotenburg-Kampfbahn eingeladen. Auch beim größten Erfolg der Vereinsgeschichte waren die Uerdinger gegen Bayern München krasser Außenseiter gewesen. Wolfgang Schäfer hatte damals den 2:1-Siegtreffer erzielt. Seine Erben Schmugge, Rodriguez und Fiore gingen ohne Respekt vor den großen Namen ins Spiel. Zuerst scheiterte Emerson (9.) mit einem Schuss aus spitzem Winkel am Bremer Torhüter Frank Rost, nur eine Minute später verstolperte der brasilianische Stürmer den Ball in aussichtsreicher Position. Dann folgte der Schock für den KFC: Borowski brachte die Bremer nach einem schönen Zuspiel von Ailton in Führung. Fortan schalteten die Gäste einen Gang zurück, die Gastgeber kamen zu Chancen. Erneut war es Emerson (34.), der an Rost scheiterte. Fünf Minuten später hatte Schmugge die beste Chance für die Hausherren, doch er zielte knapp drüber. Der zuvor in acht Spielen sieben Mal siegreiche Bundesligist tat in dieser Phase nur das Nötigste, um den Vorsprung in die Pause zu retten.

Auch nach der Pause war von Seiten der Gäste nicht viel zu sehen. Bremen versuchte, das Spiel mit minimalem Aufwand zu kontrollieren. Uerdingen hielt mit einer kämpferisch hervorragenden Leistung dagegen. Torchancen blieben aber auf beiden Seiten selten. Als sich der Bundesligist schon sicher im Achtelfinale wähnte, kam der Regionalliga-Fünfte dann doch noch zum verdienten Ausgleich. Rost foulte den eingewechselten Sebastian Rodrigez, Schmugge verwandelte den Elfmeter zum 1:1.

Auch im Elfmeterschießen bewiesen die Uerdinger Treffsicherheit. Nur Janota scheiterte an Torhüter Rost. Bei den Bremern verschossen Nationalspieler Marco Bode und Frank Verlaat. "Für den Verein und die Mannschaft war dieser Sieg eine unglaubliche Sache", sagte Uerdingens Trainer Luhokay. "Wir werden alles daran setzen, dass das nicht der letzte Coup war."

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