Sport : Neue Reden, neue Ziele

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Michael Rosentritt über

Bayern München und den DFBPokal

Irgendwann mal, als der FC Bayern München noch in schöner Regelmäßigkeit direkt etwas mit dem sportlichen Ausgang der Champions League zu tun hatte und Franz Beckenbauer launige Bankettreden hielt, irgendwann vor langer Zeit also wurde der Uefa-Cup bei eben jenem FC Bayern München Verlierercup genannt. Mittlerweile hält Karl-Heinz Rummenigge die Reden, und über den Uefa-Cup fällt kein böses Wort mehr. Was wiederum zwei Gründe hat. Erstens: Nicht mal mehr dieser, der Champions League nachgeordnete Wettbewerb ist dem besten Bayern-Kader aller Zeiten geblieben. Weshalb, zweitens, ein noch unbedeutenderer Wettbewerb, der DFB-Pokal, für die Münchner plötzlich so wichtig geworden ist.

Dass die Bayern nun gar nicht international auftreten dürfen, hat ihren Manager Uli Hoeneß in der vergangenen Woche derart gewurmt, dass er den Fernseher daheim gar nicht erst einschaltete. Hoeneß mochte nicht mit ansehen, wie Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen, Real Madrid oder AC Mailand durch die Zwischenrunde der Champions League kommen. An diesem Mittwoch hat Uli Hoeneß dieses Problem nicht. Erstens ruht der Betrieb in der Champions League. Und zum anderen spielen die Bayern selbst – richtig, im DFB-Pokal. Gegen den FC Schalke 04, und das ist ein richtig wichtiges Spiel für sie. Was sonst ist den Bayern noch geblieben? Die Meisterschaft, gewiss, aber Meister werden wollen immer alle. Aber der Pokal? Pokalsieger werden wollen – mal abgesehen von unterklassigen Vereinen – eigentlich nur die, die es im Frühling irgendwie bis ins Finale gebracht haben. Vorher ist der Pokal eine lästige Pflichtübung

Nun muss ausgerechnet für den großen FC Bayern München der vielleicht unbedeutendste Wettbewerb dafür herhalten, dass aus einer für die Bayern inakzeptablen Saison noch eine halbwegs akzeptable wird. Eine gute wird sie nicht mal mehr im optimalen Fall. Der optimale Fall wäre das Double. Also müssen die Bayern in einem Wettbewerb groß aufspielen, den der neureiche Rivale aus Dortmund schon seit Jahren nicht mehr ernst nimmt. Dessen Trainer Matthias Sammer rotierte in der zweiten Runde seine Mannschaft derart auseinander, bis sie nicht mal mehr beim Zweitligisten SC Freiburg gewinnen konnte. In Dortmund haben sie sich einmal kurz geärgert und dann wieder ganz schnell auf die Champions League konzentriert. In München gilt alle Konzentration dem DFB-Pokal. Das ist nicht viel, aber wahr.

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