Sport : Neue Reifen, alte Angst

Warum die Konkurrenz in der Formel 1 Ferrari fürchtet

Karin Sturm

Sepang. Eine Viertelstunde lang drehten die Formel-1-Fahrer am Freitag ihre ersten Trainingsrunden vor dem Großen Preis von Malaysia, da wagte sich Michael Schumacher zum ersten Mal mit seinem Ferrari auf die Strecke. Der Weltmeister fuhr auf Anhieb eine sensationelle Bestzeit, und bei der Konkurrenz brach die Angst aus: Ist Ferrari in diesem Jahr wieder unschlagbar? Steht der Formel 1 eine Saison bevor wie 2002, als Michael Schumacher schon im elften von 18 Rennen Weltmeister wurde?

Doch als sich dann am Nachmittag doch alles relativierte und Kimi Räikkönen in seinem Mercedes-Silberpfeil knapp vor Schumacher das Freie Training gewann, hellten sich die Mienen wieder auf. Doch niemand weiß genau, ob Ferrari nicht doch mit deutlich mehr Benzin im Tank unterwegs war und deswegen nicht volles Tempo fuhr. „Das Auto scheint gut zu funktionieren, aber gibt schon noch Raum für Verbesserungen“, sagt Schumacher. „Wir scheinen aber gegenüber unseren Vorstellungen hier in den letzten Jahren schon einen Schritt weiter zu sein.“ Das ist, nach den bisherigen Eindrücken, sehr höflich untertrieben. Der Ferrari 2004 ist ein hervorragendes Auto und in Kombination mit den Bridgestone-Reifen wohl zumindest bei normalen Temperaturbedingungen noch einmal um einiges besser als die eher kritische Variante der vergangenen Saison.

Wie Ferrari dieser Sprung nach vorn gelang, darüber gibt es derzeit zwei Theorien, der Wahrheit kommen dabei wahrscheinlich beide recht nahe. So hört man von Reifenhersteller Bridgestone, Ferrari sei in einigen wesentlichen Punkten der Aufhängungsgeometrie wieder zu der Basis des Autos aus dem Jahr 2002 zurückgekehrt, „und jetzt passen das Auto und unsere Reifen wieder viel besser zusammen“. Andere sagen: „Der Ferrari war in den letzten Jahren immer das mit Abstand beste Auto, auch im vergangenen Jahr – nur hat man das nicht gemerkt, weil es bei Bridgestone in der Reifenentwicklung zwei Jahre lang Stillstand gab, während der Konkurrent Michelin große Fortschritte gemacht hat.“ Die Kritik des vergangenen Jahres habe die Verantwortlichen bei Bridgestone sensibilisiert und inspiriert. Bridgestone hat kurz vor Saisonbeginn einen verbesserten Reifen zur Verfügung gestellt, der tatsächlich einen Sprung nach vorne mit sich zu bringen scheint.

Ferraris Technikchef Ross Brawn sieht es so: „Der Ferrari der vergangenen Saison war auf Grund der Reglementänderungen in einigen Punkten nur ein Kompromiss. Wir haben im vergangenen Jahr einiges versucht, was sich im Nachhinein als negativ herausgestellt hat. Das haben wir nun für den F 2004 berichtigt.“ Das alles klinge allerdings dramatischer, als es in Wirklichkeit gewesen sei: „Es ging nur darum, den Wagen in den wichtigsten Bereichen zu optimieren. Vielleicht ist das auch der Grund, warum der neue Ferrari, rein optisch gesehen, gar nicht mal so anders aussieht als der von 2003, aber doch anders ist.“

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