Neue Rolle : Marko Pantelic: Ein Torjäger als Vorbereiter

Marko Pantelic muss bei Hertha unter Trainer Favre in einer neuen Rolle spielen. Zum Auftakt glänzte der Serbe beim 2:0 in Frankfurt als Vorlagengeber – doch hat er auch Gefallen daran?

Claus Vetter
DFB-Pokal 1. Runde - SV Eintracht Trier - Hertha BSC Berlin
Glückwunsch, Kollege. Marko Pantelic (rechts) mit Sturmpartner Patrick Ebert.Foto: dpa

Da flog er mal wieder auf den Rasen. Die Fußballwelt ist ungerecht, und vor allem die Mitspieler sind es. Marko Pantelic hat eine eigenwillige Art, sich auf dem Platz darzustellen. Es ist der Hang zur Theatralik des Stürmers von Hertha BSC, den seine Gegenspieler selten mögen. Als sich Pantelic im August im Test gegen Newcastle United zu spektakulär fallen ließ und sich dann beim Schiedsrichter beschwerte, hatte der Kapitän des Gegners genug. Nicky Butt schrie den Serben an: „Shut the fuck up!“ Freundlich übersetzt hieß das: „Sei bitte ruhig!“

In der rauen englischen Premier League würde Pantelic wohl wenig Freude haben, in der Bundesliga und bei Hertha aber hat er die seit nunmehr drei Jahren. Er ist der Mann für die Tore, vergangene Saison hat er 13, ein Drittel aller Berliner Bundesligatreffer erzielt. Pantelic ist in einer wenig glamourösen Mannschaft der herausragende Charakter. Ihn kennt man in anderen Stadien, er ist Reizfigur, Star und Diva. In der Saisonvorbereitung musste er schon einmal bei einer Trainigseinheit passen, weil er laut eigener Aussage „ein schlechtes Körpergefühl“ hatte.

Pantelic ist der herausragende Charakter bei Hertha

Genau so etwas mag Trainer Lucien Favre an dem Serben weniger. Seitdem der Schweizer vor einem Jahr nach Berlin gekommen ist, modelt er an Pantelic und um Pantelic herum. Favre holte neue Stürmer, den Brasilianer Raffael und nun den Tunesier Amine Chermiti. Jetzt hat Favre zum Bundesligaauftakt mit einem Sturmdreieck spielen lassen. Pantelic fand sich in neuer Rolle wieder: Er bereitete beim 2:0 in Frankfurt beide Treffer vor und Favre freute sich: „Es war sehr wichtig, dass Marko das gemacht hat.“

Vielleicht hat Favre es geschafft, bei Pantelic die Lust auf etwas anderes zu wecken. Vergangene Saison hat Pantelic in 28 Bundesligaspielen ganze vier Tore vorbereitet und über seine Offensivpartner Raffeal und Patrick Ebert äußerte der sich sehr positiv: Er habe Spaß mit den beiden. Zum Glück für Hertha. Denn wenn Pantelic keine Lust auf etwas hat, macht der Mann mit dem halblangen Haar es gar nicht oder nur widerwillig. Das lässt sich schon bei so banalen Dingen wie einem Zirkeltraining beobachten. Seilspringen? Nicht mit Pantelic.

Vergangene Bundesliga-Saison gab Pantelic nur vier Vorlagen

Pantelics Landsmann bei Hertha, Gojko Kacar, glaubt allerdings nicht an eine Wandlung des Torjägers. Vor Herthas zweitem Bundesligaspiel am Sonnabend im Olympiastadion (Beginn 15.30 Uhr) sagt Kacar: „Marko wird gegen Bielefeld alles dafür geben, selbst ein Tor zu erzielen.“ Torjäger sind halt eitle Geschöpfe. Aber im Falle Pantelic lässt sich nicht einmal sagen, dass er eigensinnig wäre. In der Vorbereitung trug er sogar mal die Kapitänsbinde. Er hat ein enormes Laufpensum auf dem Platz, rackert wie kaum ein anderer und sagt oft Dinge wie: „Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte.“ Es klingt ehrlich.

Pantelic passt zu Hertha. Auch menschlich, denn in dieser Hinsicht wird er oft unterschätzt, dafür wurde sein Schweigen überschätzt. Er fühlte sich mal falsch zitiert in der Öffentlichkeit. Aber inzwischen spricht er über sich und seine Leistung, freundlich und humorvoll. Was seine Zukunft betrifft, macht er allerdings keine Scherze. Klub und Stürmer konnten sich noch nicht über einen neuen Vertrag einigen, Ende dieser Saison läuft der alte bei Hertha aus. Was dann passiere, sei noch unklar, sagt der Stürmer. Für Hertha und vielleicht auch Pantelic, der im September 30 Jahre alt wird, wäre es wohl besser, wenn er bleiben würde. Als Torjäger und Torvorbereiter.

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