Sport : Neue Route für einen Fuchs

Heute spielt Markus Richwien gegen seinen alten Verein Magdeburg, dann fährt er zur Nationalmannschaft

Hartmut Moheit

Berlin - Es ist schon gewaltig, was in den vergangenen Tagen so alles auf Markus Richwien eingestürmt ist. Seitdem Handball-Bundestrainer Heiner Brand den 22- jährigen Rechtsaußen der Füchse Berlin für den kommenden Montag zum Lehrgang nach St. Gallen eingeladen hat, ist das Interesse am talentierten Linkshänder enorm gestiegen. „Ich mache mich aber deswegen nicht verrückt, so sehr ich mich auf die Zeit in der Schweiz freue“, sagt der Neu-Nationalspieler, „erst einmal möchte ich gegen den SC Magdeburg eine gute Leistung zeigen.“ Gegen jenes Team, bei dem Richwiens sportliche Karriere begann, und mit dem er auch schon Großes erleben konnte. „Mit Magdeburg habe ich beispielsweise schon in Barcelona in der Champions League gespielt“, erzählt er. Da war er noch ein ganz junger Handballer, der nur wenig Spielzeit bekam. Seit 2006 ist er Stammspieler bei den Füchsen, seit dieser Saison in der Ersten Liga, und damit erst so richtig im Profisport angekommen.

Dazu gehört für Markus Richwien auch, dass er die vor ihm stehenden Bewährungsproben sachlich einordnet, nicht vor lauter Euphorie über die Chance, am Mittwoch gegen die Schweiz das erste Länderspiel bestreiten zu dürfen, das Tagesgeschäft vergisst. Das heißt, am heutigen Sonntag ab 17 Uhr in der Max-Schmeling-Halle gegen den SC Magdeburg möglichst erfolgreich zu sein. „Das Hinspiel haben wir mit 23:31 klar verloren und ich war da auch noch schwach, das ärgert mich bis heute“, sagt er. Ein Sieg vor einer für die Füchse neuen Rekord-Kulisse mit wohl 10 000 Zuschauern wäre für ihn die ideale Einstimmung auf die nächste Woche. Ganz ausblenden kann Richwien das Thema Nationalmannschaft aber nicht, schließlich hängt alles unmittelbar zusammen: SC Magdeburg, Füchse Berlin, Erste Bundesliga, Auswahlkarriere. Bundestrainer Heiner Brand hat jedenfalls bemerkt: „Markus Richwien hat sich in Berlin gut weiterentwickelt.“ Er kannte ihn bereits aus der Zeit in der Junioren-Nationalmannschaft. Füchse- Manager und Brand-Freund Bob Hanning hatte ihm die Entwicklung zuvor bestätigt. Hanning war es auch, der die Einladung zur Nationalmanschaft nach einem Training offiziell verkündete.

Seitdem ist bei Markus Richwien nicht nur das offizielle Schreiben des Deutschen Handball-Bundes eingetroffen, die Zahl der Gratulanten reißt ebenfalls nicht ab. „Trainer aus Magdeburger Jugendzeiten haben schon bei mir angerufen“, erzählt er. Richwien will sich aber „noch keinen Kopf machen“, was nach der kommenden Woche passiert. „Ich möchte meine Chance wahrnehmen, das Maximum zeigen“, sagt er dazu. Mit dem Thema Olympia befasst er sich zum Beispiel überhaupt nicht. Der Bundestrainer soll einen guten Eindruck bekommen, ihn auch weiterhin in seinem Blickfeld behalten, so sieht das vorrangige Ziel aus. „An Brand mag ich, welche Ruhe er ausstrahlt, wie er sachlich den Spielern etwas vermittelt“, sagt er.

Füchse-Trainer Jörn-Uwe Lommel hat bereits beim letzten Auswärtsspiel bei den Rhein-Neckar Löwen bemerkt, dass Richwien nach der Einladung weiter zugelegt hat. „Das hat ihm offenbar sehr gut getan“, beschreibt er seine Beobachtungen der letzten Tage. Dabei profitiert Markus Richwien, so sieht er es selbst, vom enormen Leistungszuwachs bei den Füchsen: „Mark Bult wird auf der Halbposition ja immer besser, davon profitiere ich natürlich. Und mit den neu zu uns gekommenen Spielern hat unser Angriffsspiel eine neue Qualität bekommen. Da macht es einfach auch noch viel mehr Spaß.“

Für Markus Richwien ist auch ein wichtiger Fakt gewesen, dass er seinen Vertrag bei den Füchsen erst einmal bis 2009 verlängert hat. Das Team will in den nächsten Jahren in der Bundesliga hoch hinaus, und er hat eben die Chance, sich als Stammspieler weiter gut in Szene zu setzen, „sehr viel auf hohem Niveau zu spielen“. Deshalb hat er auch nicht sehr viel auf das Gerücht gegeben, dass der THW Kiel ihn angeblich verpflichten wollte.

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