Sport : Neue Segel setzen

Hartmut Moheit

Einen Jochen Schümann genervt zu erleben, war bislang kaum vorstellbar. Zu ruhig und ausgeglichen erschien der dreimalige Segel-Olympiasieger. Daran hat sich im Prinzip auch nichts geändert, wenn nur die eine Frage nicht wäre, mit der Schümann derzeit in Valencia jeden Tag traktiert wird: Ob er beim nächsten America’s Cup für Deutschland segelt? Sie bringt ihn mittlerweile in Rage. Schon der Vertrag mit seinem Arbeitgeber gebietet es, dass der Sportdirektor beim Schweizer Cupverteidiger Alinghi keine Antwort gibt. Der Deutsche muss sich mit seinem Team auf die Cupverteidigung konzentrieren.

Die ständig wiederkehrende Frage nach Schümann ist sowieso eher ein Schrei der Verzweiflung des deutschen Teams, das beim gestern beendeten Louis Vuitton Cup selbst seine heruntergeschraubten Ziele weit verfehlte. Verzweiflung, weil die Vorbereitung auf den nächsten America’s Cup bereits wieder beginnt: mit der Suche nach Sponsoren und erfahreneren Crew-Mitgliedern. Vieles wäre da einfacher und glaubwürdiger, wenn Teamchef Michael Scheeren dabei den zum deutschen Segel-Messias erhobenen Schümann aufbieten könnte.

Dass der 52-jährige Schümann ein Gewinn wäre, steht außer Frage. Doch allein mit ihm kommt eine weitere deutsche Kampagne noch nicht auf Siegkurs. Angesichts der Niederlagen auf dem Wasser ist das aber zu wenig. Schümann das Gefühl zu geben, dass nach dem diesjährigen America’s Cup ein deutsches Team aufgebaut wird, das siegfähig ist, und ihn für ein schlüssiges Konzept zu begeistern, daran mangelt es. Dieser Weg hätte zwei Vorteile: Er wäre erfolgversprechender und würde Schümann auch nicht nerven.

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