Sport : Neue Sieger

Die Formel 1 sucht nach Rivalen für Michael Schumacher und findet Jarno Trulli und Jenson Button

Hartmut Moheit[Nürburgring]

Für einen Augenblick hielt Jenson Button inne. Ein Aushang am Motorhome von Renault hatte das Interesse des 24-jährigen Briten geweckt. Auf diese Weise erfuhr der Formel-1-Fahrer von Jarno Trullis Party, der am Freitagabend nach Mayen zu einer Graffiti-Party eingeladen hatte, auf der sich die Gäste gegenseitig anmalten. Es war die nachträgliche Siegerfeier des Rennens von Monaco. Als Zweitplatzierter hätte Jenson Button auch ein Recht zu feiern, doch auf die Frage, ob er auch kommen würde, lächelte er nur vielsagend und verschwand hinter den weiß-roten Türen seines Teams. Jenson Button hat Wichtigeres vor.

Button möchte beim Großen Preis von Europa am Sonntag auf dem Nürburgring Revanche nehmen für Monaco. Er will gewinnen. Mehr noch, Button will in dieser Saison Weltmeister werden. „Wenn Michael Schumacher ein Wochenende wie das letzte hat, kann alles passieren“, zitiert ihn die „BBC“. David Coulthard von McLaren-Mercedes traut ihm sehr viel zu: „Jenson schwimmt auf einer Welle.“ Angesichts der fünf Siege von Michael Schumacher im Ferrari scheint der Weltmeistertitel ein wenig weit entfernt. Doch der WM-Stand verdeutlicht die Chancen vor dem siebten von 18 WM-Läufen: Schumacher führt mit 50 Punkten vor dem Teamkollegen Barrichello (38) und Button (32).

Als es Schumacher in Monaco nicht ins Ziel schaffte, hat Button allein acht Punkte auf den Deutschen gutgemacht. An eine solche Entwicklung war bei BAR-Honda, aber ebenso bei Trullis Renault-Team in der vergangenen Saison noch nicht zu denken. Es gibt inzwischen doch ernst zu nehmende Gegner für den deutschen Dauersieger. Nur spielen die Rollen als Rivalen, die eigentlich BMW-Williams und McLaren-Mercedes zugedacht waren, mittlerweile Renault und BAR-Honda.

Vor allem British American Racing aus Brackley, 1997 von Craig Pollock, Adrian Reynard und Rick Gorne aus dem Tyrrell-Team neu gebildet, gelang ein unerwarteter Leistungssprung. Und das im Jahr eins nach Jacques Villeneuve, dem ehemaligen Weltmeister, der nach der Entmachtung von Pollock durch David Richards regelrecht aus dem Team gemobbt wurde. Mit Jenson Button und Takuma Sato, dem besten Japaner, den die Formel 1 je hervorgebracht hat, dazu der Power des Honda-Motors und den Reifen von Michelin kam der Durchbruch. Davon hatte Villeneuve immer geträumt, doch er ließ sich sein Engagement mit 18 Millionen Dollar gut bezahlen. Dieses Geld steckt Richards nun in Technik. „Wir sind da, um zu gewinnen. Wir wollen unsere Fahrer kämpfen sehen, selbst auf die Gefahr hin, dass sie mal ausfallen“, sagt Richards. Mit dem Testfahrer Anthony Davidson verfügt der Teamchef über einen weiteren Fahrer, der vor einer großen Zukunft steht.

Michael Schumacher, der auch auf dem Nürburgring wieder der große Favorit ist, hat in dieser Saison keinesfalls ein leichtes Spiel, auch wenn es bislang so scheinen mag. Es ist nie absehbar, wie seine Duelle mit Juan Pablo Montoya ausgehen. Und schon deutet sich neues Unheil für ihn an: ein Comeback von Jacques Villeneuve. Mit ihm käme – möglicherweise zu BMW-Williams – nicht nur eine charismatische Persönlichkeit zurück, sondern auch ein Siegfahrer. Bekommt Villeneuve ein schnelles Auto, wie er es beim WM-Sieg 1997 bei Williams hatte, hätte er wieder gute Chancen. Und wenn er nicht zurückkommt? Seine Rolle können auch andere übernehmen. Jarno Trulli oder Jenson Button zum Beispiel.

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