Sport : Neue Sitzordnung

Benedikt Voigt

Nicht jeder Tisch ist gleich im VIP-Raum der Max-Schmeling-Halle. Am ersten Tisch nach dem Treppenaufgang links zum Beispiel sitzen nach den Basketballspielen von Alba Berlin die prominentesten Gäste. An diesem Platz versammelt sich Albas Vorstandsrunde, hier speisen Präsident, Vizepräsident, Trainer und Mannschaftskapitän Henrik Rödl. Am nächsten Tisch treffen sich die Veteranen, langjährige Alba-Spieler wie Teoman Öztürk oder Jörg Lütcke. Außerdem gibt es noch zwei weitere Sitzgruppen mit ihrem jeweiligen Anhang: Die Nachwuchsreihe um Tommy Thorwarth, Stefano Garris und Sven Schultze, sowie die Riege der Spieler, die des Jugoslawischen mächtig sind: Dejan Koturovic und Marko Pesic. Selten ändert sich die inoffiziellen Sitzordnung, eigentlich nie, weshalb sich in der Tischordnung ein Grund dafür manifestiert, warum die Saison bislang enttäuschend verlief: das Mannschaftsgefüge ist zu sehr festgezurrt.

"Wir müssen die Mannschaft in der kommenden Saison verändern, um neue Impulse zu kriegen", sagt Präsident Dieter Hauert. Weil bei neun Spielern die Verträge auslaufen, steht Alba Berlin ein großer Umbruch bevor. Das morgige Finalturnier um den deutsche Pokal in der Max-Schmeling-Halle ist somit neben den Play-off-Spielen in der Bundesliga (ab dem 21. April) die letzte Gelegenheit, das Team in alter Besetzung zu sehen. Alba bestreitet am Samstag um 15 Uhr das zweite Halbfinale gegen die EWE Baskets Oldenburg, zuvor spielen die Opel Skyliners gegen Herzogtel Trier. Das Endspiel findet am Sonntag um 15 Uhr statt. Albas Trainer Mutapcic hofft, dass ein Pokalsieg Selbstvertrauen für die Play-offs bringen möge. Doch auch der nach 1997 und 1999 dritte Pokalsieg der Vereinsgeschichte würde den Umbruch nicht verhindern. "Die Saison ist verkorkst", sagt Hauert, "ein Pokalsieg ändert nichts daran, dass wir hundsmiserabel gespielt haben." Besonders ärgerte ihn fehlendes Engagement. "Wir haben nur mit 80 Prozent gespielt."

Also ist Veränderung angesagt. Nur Jörg Lütcke, Teoman Öztürk, Stefano Garris, Thommy Thorwarth, Milan Soukup und Guido Grünheid besitzen neben den beiden Trainern Emir Mutapcic und Burkhardt Prigge einen Vertrag für die Saison 2002/2003. Alle anderen müssen kämpfen. "Wir nehmen unsere Rosinen und ergänzen sie mit anderen Rosinen", sagt Hauert. Wer nach seiner Auffassung die Berliner Rosinen sind, wollte er nicht sagen. Stipo Papic zählt nicht dazu. Im Januar wollte Alba den Power Forward bereits an Stadtsport Braunschweig ausleihen, doch Papic weigerte sich. "Ein großer Fehler", sagt der Präsident. Laut "Hamburger Morgenpost" interessiert sich nun der vorraussichtliche Bundesliga-Aufsteiger BC Johanneum für Stipo Papic und Sven Schultze. Als ersten Neuzugang für die neue Saison meldete Alba gestern einen neuen Sponsor, die Stada Arzneimittel AG.

Ältere Spieler wie Wendell Alexis (37 Jahre) und Henrik Rödl (33 Jahre) stehen nun in Frage, zumal sich Alba verjüngen will. "Das Alter müssen wir berücksichtigen", bestätigt Hauert. Rödl, der seit 1993 für Alba spielt, personifiziert das Team der alten Zeit unter Trainer Svetislav Pesic. Endet Albas Ära nun? "Nein, wir werden auch in den nächsten zehn Jahren fünfmal Meister", behauptet Hauert. Außerdem würden zu einer Ära nicht nur Titel gehören sondern auch Bereiche wie Jugendförderung und Außenwirkung. Hauert, der seit Vereinsgründung 1991 den Klub lenkt, sagt: "Die Ära bin ich."

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