Neue Torlinientechnik : Es sieht etwas, was Du nicht siehst

07.07.2012 11:30 Uhrvon

Für die einen ist die Torlinientechnologie lange überfällig. Für andere ist sie Anfang vom Ende des Fußballs. Für den Philosophen Gunter Gebauer bringt sie vor allem eins: Gerechtigkeit.

Die Grundsatzfrage spaltet die Fußball-Gemeinde in zwei Lager.

Und doch, so könnte man an dieser Stelle einwenden, gibt es eine genuine Gemeinsamkeit zwischen Theken- und Spitzenschiedsrichter: Beides sind Menschen – und der eine legitimiert den anderen mit seinen Fehlern. Aber ist das wirklich so? „Die Spaltung gibt es längst – allein dadurch, dass der Profifußball so grundlegend von Kameras durchleuchtet ist“, sagt der Berliner Sportphilosoph Gunter Gebauer. Am Ende sei das grundlegende „Ja“ der konservativen Fifa zur Torlinientechnik auch eine Reaktion auf diese mediale Prädisposition: „Die Bedeutung, um die es hier geht, ist die Bedeutung von Sichtbarkeit und allem, was das zur Folge hat.“

Bleibt die Frage, wohin das alles führen soll. Ist das „Ja“ zur Torlinientechnik tatsächlich „eine Richtungsentscheidung für die elektronische Überwachung und Beweisführung von Allem“, wie es ein User auf Tagesspiegel.de vermutet? Die Fifa-Offiziellen bestritten das zuletzt. Ein genauer Grund, warum der Torkamera nicht auch andere Kontrollmechanismen folgen sollten, lässt sich allerdings schwer finden. Der Versuch des Torlinientechnikbefürworters Gebauer, etwa den Ruf nach Videobeweisen bei Abseitsstellungen mit der Frage nach der „Wahrheit der Bewegung“ zu delegitimieren, also damit, dass „die eingefrorene Aktion, die nachgezeichnete Linie“ überhaupt nicht mehr der menschlichen Wahrnehmung entspricht, verfängt nur halb: Denn auch, was Hawk Eye und Co zu zeigen vermögen, entspricht nicht der menschlichen Wahrnehmung. Sonst gäbe es die Systeme ja nicht.

So muss die Frage nach der Torlinientechnik als Grundsatzfrage im Raum stehen bleiben. Eine, die die Gemeinde in Lager spaltet: diejenigen, die die Aufrichtigkeit des Wettbewerbs betonen, und jene, die die Universalität des Spiels in den Vordergrund stellen. Und natürlich die, die das Wesen des Fußballs weniger im Spiel selbst als in den sich anschließenden Diskursen sehen. Gunter Gebauer kann diese Haltung am wenigsten nachvollziehen: „Wenn man freiwillig darauf verzichtet, das Entscheidende des Spiels einwandfrei zu klären, weil es angeblich ein Vorteil ist, sich 50 Jahre über Ungerechtigkeiten aufregen zu können, dann ist das absurd.“ Letztlich helfe die Technik, das sichtbar zu machen, was Sport vor allem anderen sichtbar machen wolle: „Gerechtigkeit. Dass derjenige, der etwas leistet, dafür belohnt wird.“

Bald geht es los: Die Paralympics-Zeitung lud zum Vorbereitungsworkshop in Großbritannien.  20 Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland, der Schweiz, Nordirland, Wales und England, hatten beim internationalen Schreibwettbewerb für das Jungreporterteam der Paralympics-Zeitung gewonnen. Foto: Thilo Rückeis

Medaillen und mehr: Schülerreporter der Paralympics Zeitung berichten von den Spielen in London 2012.

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