Neue Wege : Unter der Schmerzgrenze

Beim Ju-Jutsu erkennen Füchse-Handballer Defizite. "Es gibt Spieler, die nicht über die Schmerzgrenze gehen wollen und zu schnell zufrieden sind", begründet Manager Bob Hanning die ungewöhnliche Trainingsmethode.

Hartmut Moheit

Berlin - Ist es nun Realitätsverlust, Sturheit oder grenzenlose Zuversicht? Immer noch, trotz des neunten Tabellenplatzes nach 14 Spieltagen, spricht man bei den Füchsen Berlin vom anvisierten Europacupplatz. „Wir wissen ja nicht genau, welcher Rang dafür zum Saisonende ausreicht“, verteidigt Trainer Dagur Sigurdsson jene sich seit dem Saisonstart der Handball-Bundesliga ständig wiederholende Groborientierung. Auch in der Vorschau auf das heutige Spiel ab 17 Uhr in der Schmeling-Halle gegen die Rhein-Neckar Löwen, den Tabellendritten, war wieder zu lesen: „Wir könnten mit einem Sieg einen wichtigen Schritt Richtung Europapokalplatz machen.“ Und das ausgerechnet gegen ein Team, das nur unwesentlich schwächer als Kiel oder Hamburg einzuordnen ist. Gegen beide Teams bezogen die Füchse mit 23:40 und 27:37 Heimniederlagen, deren Zustandekommen unumstritten als eklatant bezeichnet wurde. Füchse-Manager Bob Hanning sah das so, wehrte sich aber vehement gegen die Einschätzung, dass die Entwicklung im dritten Erstligajahr stagnieren würde. „Das auf keinen Fall, wir entwickeln uns ständig weiter“, sagt er im Brustton der Überzeugung, „aber wir haben nicht wie andere sieben Jahre Zeit, deshalb reicht unser Tempo nicht aus.“

Gegen die Rhein-Neckar Löwen, die sich, obwohl schon stark besetzt, vor der Saison mit dem zweimaligen Champions- League-Gewinner Olafur Stefansson, dem deutschen Nationalspieler Michael Müller, Carlos Prieto sowie Bjarte Myrohl weiter verstärkt haben, reichte es für die Füchse noch nie zu einem Punktgewinn. „Aber auch so ein Team hat mal einen schwachen Tag, dafür muss man dann bereit sein, ihn auszunutzen“, sagt Sigurdsson. Sein Eindruck in der zurückliegenden Trainingswoche war, dass die Füchse in dieser Verfassung sind. Auch weil Kapitän Torsten Laen gerade noch rechtzeitig seine Magen-Darm-Probleme in den Griff bekommen hat. Er konnte am Freitag bereits wieder trainieren. „Er ist ein sehr wichtiger Spieler“, sagt Sigurdsson, „im Angriff, in der Deckung und überhaupt als Persönlichkeit im Spiel.“

Das Thema Persönlichkeit rückt bei den Füchsen nun ohnehin verstärkt in den Vordergrund. Bei einem Ju-Jutsu-Training, einer japanischen Kampfsportart, waren da Defizite sichtbar geworden. „Es gibt Spieler, die nicht über die Schmerzgrenze gehen wollen und zu schnell zufrieden sind. Wenn eine Übung zwei Minuten dauert, hören sie schon 15 Sekunden vorher auf“, erzählt Hanning. Auf diese Dinge werde man nun verstärkt achten. Noch stehen 20 Spiele in dieser Saison aus, und das Thema Europa muss deswegen auch noch nicht abgehakt werden.

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