Sport : Neuen Schwung

Bei „Kidswing“ golfen junge Spieler mit Handicap Jetzt wird in Berlin eine Trainingsbasis eröffnet – nahe dem Potsdamer Platz

-

Trainer Heiko Hegermann spannt auch mal den Regenschirm auf, wenn die Sonne scheint. Mit diesem Utensil animiert er nämlich die Kinder, zielgenau zu spielen. „Das finde ich witzig“, sagt Ronja. Die Siebenjährige gehört zum Berliner Team des Integrationsprojektes „Kidswing“, das der Verein Deutsche Kinderhilfe Direkt bundesweit an einem Dutzend Standorten betreibt. Am 16. Mai wird die erste Berliner Trainingsbasis der jungen Golfer mit Handicap um 14 Uhr auf der Anlage „Global Golf Berlin“ am Schöneberger Ufer 7 unweit des Potsdamer Platzes offiziell eröffnet.

Die Berliner „Golfkids“, wie sich die Truppe um Trainer Hegermann nennt, üben schon seit einem Jahr gemeinsam abschlagen und einputten. Auf dem Grün sollen die sieben- bis zehnjährigen Mädchen und Jungen, teils mit erheblichen körperlichen Handicaps, ihre Motorik verbessern, aber auch an Selbstvertrauen gewinnen. „Für meine Tochter Sara ist das Training eine tolle Konzentrationsübung“, sagt Dosia Plüss aus Prenzlauer Berg. Ihre zehnjährige Tochter sitzt im Rollstuhl, sie kam mit einem so genannten offenen Rücken zur Welt.

Wenn das Mädchen aus Prenzlauer Berg in ihrem Rolli über den Golfplatz fährt, freut sie sich übers Training – „und die sozialen Kontakte sind auch wichtig“, sagt ihre 40-jährige Mutter. Im Winter treffen sich die „Golfkids“ dann zum Training in der Halle. Dass Kinder wie Ronja und Sara gratis golfen und Sport als Therapie betreiben können, machen Förderer wie die deutsche Vodafone-Stiftung möglich.

Die Stiftung mit Sitz in Düsseldorf unterstützte „Kidswing“ erstmals vor zwei Jahren, damals mit 250 000 Euro. „Heute fördern wir die Integrationsprojekte an zwölf Standorten in Deutschland mit 350 000 Euro“, sagt Dirk Haushalter von Vodafone. Auch andere Unterstützer seien gern gesehen, sagt Angelika Pelz vom Verein Kinderhilfe Direkt, der auch ein Hilfsprojekt für Frühchen organisiert hat sowie therapeutisches Reiten für Kinder mit Behinderungen. Die Golfplatzbetreiber stellen die Plätze gratis zur Verfügung: die Berliner Anlage ist 45 000 Quadratmeter groß und besitzt unter anderem eine doppelseitige, 270 Meter lange Driving Range sowie mehr als 90 Abschlagplätze. Da spielen die Kinder gemeinsam mit Managern, die in der Mittagspause rasch entspannen wollen.

Und doch ist weitere finanzielle Hilfe dringend nötig: Allein ein „Paragolfer“-Rollstuhl, in dem Rollstuhlkinder aus einer aufrechten Position heraus schlagen können, kostet nach Auskunft des Vereins Kinderhilfe rund 16 000 Euro. Das Fahrgeld zum Platz teilen sich die Eltern, die Schläger werden gestellt. Von den Golfangeboten erfahren die Eltern etwa über das Sozialpädiatrische Zentrum der Charité oder Krankengymnastik-Praxen. Bei „Kidswing“ werden motorische Fähigkeiten der Kinder dann spielerisch geschult. Doch es geht um mehr als technisch gelungene Abschläge. Noch wichtiger ist die ausgelassene Atmosphäre auf dem Grün – sind doch viele Familien durch die lebensverkürzende Krankheit des Kindes stark belastet.

Die nichtbehinderten Geschwister von Sara, Samuel und Camille, waren auch schon mal mit zum Golfen am Potsdamer Platz. „Den beiden hat es gut gefallen. So gut sogar, dass sie fröhlich herumgesprungen sind und die anderen Kinder ein bisschen gestört haben“, sagt Saras Mutter Dosia Plüss mit einem Lächeln.

Kontakt zum Golfprojekt „Kidswing“ und der Berliner Trainingsgruppe bekommen Interessierte über die Deutsche Kinderhilfe Direkt e.V. mit der Telefonnnummer 24 34 29 40.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben