Sport : Neuer Anschluss

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Von Karin Sturm

Magny-Cours. Als die Klamotte sowieso schon perfekt war, platzte auch noch die Meldung, Toyota wolle Heinz-Harald Frentzen für den nächsten Grand Prix in Hockenheim verpflichten, in die Formel-1-Szene beim Großen Preis von Frankreich in Magny-Cours. „Bild am Sonntag“ verbreitete diese Version, aber zu diesem Zeitpunkt war der 35-jährige Frentzen längst schon in der Rolle einer Marionette. In Frankreich hatte der Arrows-Pilot nicht starten können, weil er ebenso wie sein Teamkollege Enrique Bernoldi auf Anweisung seines Teamchefs Tom Walkinshaw im Training absichtlich zu langsam gefahren war und deshalb die Qualifikation verpasst hatte. Als das Rennen begann, saß Frentzen bereits zu Hause in Monte Carlo und sah sich das Rennen am Fernseher an.

Aber noch bevor Toyotas (angebliche) Offerten publik wurde, weil Toyota-Pilot Allan McNish gefeuert werden soll, lag Frentzen schon eine fast kuriose Offerte von Eddie Jordan vor. Ausgerechnet von Jordan, der Frentzen im vergangenen Jahr vor dem Rennen in Hockenheim aus bis heute nicht ganz bekannten Gründen rauswarf. Mit Jordan liegt Frentzen im juristischen Streit.

Doch Jordan war unter Zugzwang. Denn sein Fahrer Giancarlo Fisichella musste nach einem Trainingsunfall auf den Start am Sonntag verzichten. Und deshalb kam Jordan die Idee mit Frentzen. Der Ire fragte am Samstag abend beim Automobil-Weltverband Fia nach, ob nicht Frentzen für den Italiener einspringen könne. Doch der spektakuläre Tausch platzte, weil Frentzens Management nach Aussagen des Jordan-Teams das Angebot aus rechtlichen Gründen ablehnte.

Zuvor hatte aber Walkinshaw schon Frentzen als Spielball missbraucht. Der Teamchef ließ seine Arrows langsam fahren, um dadurch Druck auf seinen Mit-Anteilseigner, die Investmentbank Morgan Grenfell, zu machen. Damit will Walkinshaw erreichen, dass er weitere Teamanteile an neue Investoren verkaufen darf - was Morgan Grenfell im Moment blockiert, weil noch hohe Forderungen gegenüber Arrows bestehen. Wakinshaw sagt klar: „Wenn wir nicht fahren, dann ist das Team gar nichts mehr wert und dann bekommt ihr gar nichts.“ Frentzen sagte bloß: „Wir haben unsere Mission erfüllt. Ich überlege jetzt zu Hause, was ich machen soll.“ Der frühere Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck meinte in „Premiere“: „Heinz-Harald ist ein armes Schwein, das sich wie eine Marionette herumschieben lassen muss.“

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