Neuer Bayern-Trainer : Der vierwöchige Freundschaftsdienst des Jupp Heynckes

Eigentlich sollte es nur ein Freundschaftsbesuch sein. Vor sechs Wochen hatten Uli Hoeneß und Jupp Heynckes verabredet, mal wieder ein Treffen zu arrangieren, eines unter alten Kumpels. Dann wurde mehr draus - Heynckes ist wieder Bayern-Trainer.

Helmut Schümann
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Alte Freunde. Heynckes, Hoeneß.Foto: dpa

Hoeneß, der Manager des FC Bayern München, und Heynckes, von 1987 bis 1991 Trainer der Bayern, sind seit Jahrzehnten eng verbunden. Und so saß Heynckes am Samstag neben Ehefrau Iris auf der Tribüne der Münchner Arena und musste mitansehen, wie die Bayern von allenfalls mäßigen Schalkern besiegt wurden.

Am Abend wurde im Hause Hoeneß wohl über das Spiel gesprochen, so wie Fußballfans und Fußballfachleute über ein Spiel reden, dann wurde gegen die schlechte Stimmung angespeist. Dass Heynckes in den verbleibenden fünf Spieltagen die Münchner Karre aus dem Dreck ziehen würde, war bis dahin kein Thema. Erst nach seinem Heimflug ins Rheinland und der Landung auf dem Düsseldorfer Flughafen, erreichte Heynckes der Notruf aus München. Und nun leistet er den vierwöchigen Freundschaftsdienst.

Anders ist Heynckes Bereitschaft wohl nicht zu verstehen. Denn der einstige Erfolgstrainer, der 1998 mit Real Madrid die Champions League gewann, hatte sich zuletzt komplett aus dem Fußballgeschäft zurückgezogen. Noch während der Europameisterschaft 2008 erholte er sich von einer schweren Krankheit und wollte nichts wissen vom Fußball, nichts sehen und schon mal gar nichts sagen. Bitten um einen Kommentar zur Sache lehnte er freundlich, aber bestimmt ab.

Auf der anderen Seite steht da eben die Verbindung zur Familie Hoeneß. Sie hat keinen Knick bekommen, als Hoeneß Heynckes 1991 als Trainer der Bayern entließ, entlassen musste. Die beiden hatten seinerzeit Großes vor bei den Bayern, investierten viel Energie in die Nachwuchsarbeit, wollten mit eigenen Mitteln schaffen, was die Konkurrenz mit dicken Schecks ermöglichte. Sie scheiterten, auch an vereinsinternen Intrigen, so etwas verbindet, und immer wieder beteuerte Hoeneß, diese Entlassung sei sein größter Fehler als Manager gewesen. „Wir haben damals beide geheult wie die Schlosshunde“, erinnerte sich Uli Hoeneß gestern. Er betonte, dass es ihm nun nicht darum geht, eine alte Freundschaft wieder zu beleben. „Wir brauchen einen Mann, der dem FC Bayern hilft.“

Als Korrektur ist das Engagement eher nicht zu verstehen, eher schon als Verzweiflung. Es ist nicht anzunehmen, dass der FC Bayern eine Zukunft mit Heynckes, 63, plant, nicht einmal, wenn ihm die Meisterschaft gelingt. Heynckes ist satt, und gilt nicht als einer, der seine Beschlüsse schnell umwirft. Im Jahr 2000 zum Beispiel, die deutsche Nationalmannschaft suchte einen Nachfolger für den überforderten Erich Ribbeck als Nationaltrainer, war Heynckes im Gespräch. Und lehnte beharrlich ab, weil er seiner damals erkrankten Frau zur Seite stehen wollte.

Der nun zu erwartende Stress hält sich in Grenzen. Fünf Spieltage, in denen Heynckes nicht viel verlieren kann, weil er den Kader nicht verantwortet, und lediglich Einfluss auf die Stimmung nehmen kann. Eine Stimmungskanone indes war er nie. Und ein Feuerwehrmann, der den Brand abwehrt, auch nicht. Man kann daran, positiv, den Wert von Freundschaft ablesen. Und, negativ, die Verzweiflung des FC Bayern München.

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