Neuer DEB-Präsident Franz Reindl : Parolen, getarnt als Visionen

Der neue DEB-Präsident Franz Reindl verkündete zu seinem Amtsantritt, dass das Eishockey-Nationalteam ab 2026 bei großen Turnieren um Medaillen mitspielen müsse und werde. Doch bis es soweit ist, heißt es: Durchhalten! Ein Kommentar.

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Bei der Eishockey-WM im Mai will er nicht die "Hosen voll haben": DEB-Präsident Franz Reindl
Bei der Eishockey-WM im Mai will er nicht die "Hosen voll haben": DEB-Präsident Franz ReindlFoto: dpa

Visionen können im Sport ein Motor sein. Wer sich keine Ziele steckt, kann schlecht motivieren und zukunftsweisend ändern. Franz Reindl, neuer Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) hat in die richtige Richtung gedacht, als er zum Amtsantritt verkündete, dass das Eishockey-Nationalteam ab dem Jahr 2026 bei großen Turnieren um Medaillen mitspielen müsse – und ja, sogar werde. Weil sonst mache man sich ja international lächerlich als ein so großes Land wie Deutschland.

Doch bevor die Deutschen den anderen die Medaillen wegnehmen, heißt es allerdings: Durchhalten! Vor dem Deutschland-Cup am Wochenende gibt der Verband ein gewohnt diffuses Bild ab, Besserung ist nicht in Sicht: Der DEB ist hochverschuldet, Nationaltrainer ist immer noch der in zwei Jahren Amtszeit nachweisbar überforderte Pat Cortina, und dann rebellieren die Landesverbände gegen Reindl, und an der Nachwuchsarbeit krankt es immer noch.

Dass zurzeit junge deutsche Spieler wie Leon Draisaitl, Tobias Rieder oder Torwart Philipp Grubauer auf dem Weg sind, sich im nordamerikanischen Profi-Eishockey einen Namen zu machen – Spieler also, die ab 2026 mit Reindl Medaillen feiern – hat damit viel zu tun: Sie wanderten schon als Teenager nach Nordamerika aus, weil sie dort besser gefördert wurden als in der Heimat. Ihr Vorteil ist nun: Sie müssen nicht zum Deutschland-Cup – ein Turnier, dessen Stellenwert von Jahr zu Jahr sinkt.

Trotzdem erwartet Reindl in München einen „Fingerzeig“ auf dem von ihm ausgerufenen Weg nach oben. Und bei der WM im Mai will er nicht die „Hosen voll haben“, dass die Mannschaft absteigt. Der Präsident ist schon in Medaillenform, alle anderen im deutschen Eishockey allerdings nicht. Und so sind Reindls Visionen ohne Wegbeschreibung wohl kaum mehr als Parolen.

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