• Neuer LSB-Präsident: Aus drei mach eins - Heute wird der Nachfolger Manfred von Richthofens gewählt

Sport : Neuer LSB-Präsident: Aus drei mach eins - Heute wird der Nachfolger Manfred von Richthofens gewählt

Ernst Podeswa

Sportführer scheinen ihre Probleme zu haben, rechtzeitig für ihre Nachfolge zu sorgen. Der greise IOC-Präsident Antonio Samaranch (Spanien) hat darauf bislang kaum einen Gedanken verschwendet. Ähnlich war es bei IAAF-Präsident Primo Nebiolo (Italien), nach dessen Tod im Vorjahr der Leichtathletik-Weltverband kurzzeitig von Ratlosigkeit heimgesucht wurde. Mit 66 Jahren ist der Berliner Manfred von Richthofen mehr als zehn Jahre jünger als diese beiden Spitzenfunktionäre des Weltsports. Dennoch ist ihm bei der Stabübergabe des Amtes als Präsident des Landessportbundes (LSB) Berlin ein ähnliches Versäumnis unterlaufen. Nach 15 Jahren als LSB-Chef kündigte er im Dezember überraschend an, für die anstehende Wiederwahl im Landessportbund nicht zur Verfügung zu stehen. Auch, um sich ausschließlich auf den stressigen Job als DSB-Primus zu konzentrieren.

Von Richthofen hat dann eine Findungskommission einberufen und ohne Konsultation des LSB-Präsidiums seinen Kronprinzen erkoren. Das ist Hans-Jürgen Bartsch (59), seit elf Jahren Schatzmeister im LSB und als Spitzenmann der Dresdner Bank nach Richthofens Vorstellungen der prädestinierte Nachfolger. Die Begründung: Bartsch habe bessere Kontakte zu Politik und Wirtschaft als die beiden aktuellen LSB-Vizepräsidenten Dietrich Gerber (56) und Peter Hanisch (64). Vorstandsmitglied bei der Berliner Brauerei und Leistungssportexperte der eine, ehemaliger Leitender Polizeidirektor, Breitensportfachmann und Turnpräsident der andere.

Beide waren als Erben im wichtigsten LSB-Ehrenamt gehandelt worden. Die öffentliche Parteinahme von Richthofens für Bartsch traf sie unvorbereitet. Heute wird es bei der Mitgliederversammlung zur Wahl des neuen LSB-Präsidialen im Rathaus Schöneberg eine Kampfabstimmung geben. Erreicht keiner beim ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, folgt eine zweite Abstimmung mit der Entscheidung nach einfacher Mehrheit. Da könnte es zu einem Pakt zwischen den Anhängern von Gerber und Hanisch kommen. Auch, weil beide im Siegesfalle des anderen weiter im Präsidium mitarbeiten würden. Bartsch aber will nur für das Präsidentenamt kandidieren. "Ich hoffe nicht, dass das Stimmen kostet", so Bartsch. Das öffentliche Gerangel um den Stuhl des Präsidenten bedauert er, "da das weniger dem künftigen Präsidenten, wohl aber dem Ansehen des Berliner Sports schaden" werde. Peter Hanisch betonte, dass er - sollte er das Vertrauen erhalten - "natürlich eine vernünftige Kooperation mit dem für die Ehrenpräsidentschaft vorgeschlagenen von Richthofen anstreben" werde. Dietrich Gerber wäre es "lieber gewesen, wenn die ganze Sache anders gelaufen wäre."

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