Sport : Neuer Schmutz bei Ajax

Johan Cruyff wehrt sich gegen Rassismusvorwurf, seine Widersacher erhalten Morddrohungen.

von
Foto: dapd Foto: dapd
Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Über den genauen Aufenthaltsort von Louis van Gaal ist derzeit nichts bekannt. Der frühere Bayern-Trainer und designierte Generaldirektor von Ajax Amsterdam befindet sich auf einer ausgedehnten Urlaubsreise und soll gerade im Fernen Osten unterwegs sein. Vielleicht ist es ganz gut, dass van Gaal nicht auch noch persönlich in diesem Schmierenstück mitmischt, in dem er eine Hauptrolle spielt und das den holländischen Rekordmeister und die holländische Öffentlichkeit seit Tagen umtreibt. Mit van Gaals Beförderung zum Generaldirektor ist bei Ajax ein bizarrer Machtkampf ausgebrochen, der sich immer weiter zuspitzt. Nach den Rassismusvorwürfen gegen Johan Cruyff haben dessen Gegenspieler aus dem Aufsichtsrat nun berichtet, sie hätten Morddrohungen erhalten. Dahinter wird der harte Kern der Ajax-Fans vermutet.

Cruyff, die Legende schlechthin des holländischen Fußballs, verteidigte sich derweil gegen den Vorwurf, der an Edgar Davids gerichtete Satz „Du sitzt hier nur, weil du schwarz bist“ sei rassistisch motiviert gewesen. Dass dieses Zitat gerade jetzt an die Öffentlichkeit gelangte, wertete Cruyff als weiteres Indiz für eine Intrige gegen seine Person. „Wieder hinter meinem Rücken“ betitelte er seine Kolumne für die Zeitung „De Telegraaf“. Der Satz sei aus dem Zusammenhang gerissen worden, schreibt Cruyff darin. Er sei während einer Aufsichtsratssitzung gefallen, in der es darum ging, dass viele Jugendliche mit Migrationshintergrund den Klub verlassen. „Deshalb wollten wir dieses Problem von jemandem angehen lassen, der denselben Hintergrund hat und die Ausbildung bei Ajax abgeschlossen hat. Das war Edgar Davids“, so Cruyff. Bei ihrem Streit habe er Davids daran erinnert, zugegebenermaßen in einer recht deutlichen Art und Weise, „aber es hatte nichts mit seiner Hautfarbe zu tun, sondern allein mit seiner Aufgabe im Aufsichtsrat“.

Cruyffs Version wird von Rob Been bestätigt, dem Vorsitzenden des Mitgliedsrates bei Ajax. Er habe im Sommer von einer beleidigenden Äußerung Cruyffs gehört und sich daraufhin an Steven ten Have, den Aufsichtsratsvorsitzenden, gewandt. Ten Have habe ihm gesagt, dass Cruyff sich zwar ungeschickt ausgedrückt habe, die Sache aber nicht weiter dramatisch sei. Es ist derselbe ten Have, der den mehrere Monate zurückliegenden Vorfall jetzt an die Medien lanciert hat. „Mit diesen Menschen will ich darum nichts mehr zu tun haben“, schloss Cruyff seine Ausführungen in „De Telegraaf“. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben