Neuer Spieler : Nemanja Pejcinovic: Ein Taktiker für Hertha

Der Berliner Bundesligist leiht den serbischen Verteidiger Nemanja Pejcinovic bis Saisonende aus.

Sven Goldmann

Berlin - Irgendwie war von vornherein klar, dass an Nemanja Pejcinovic etwas Besonderes sein musste. Als der serbische Verteidiger Mitte Juli ziemlich unvermittelt im Trainingscamp auftauchte, hatten die Fußballspieler von Hertha BSC eigentlich einen freien Tag. Solche Gelegenheiten nutzt Lucien Favre im Normalfall zum ausgiebigen DVD-Studium oder zu langen Gesprächen mit seinen Vorgesetzten zwecks Verstärkung. Für Pejcinovic aber ließ der Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten alles stehen und liegen und radelte mit dem Mountainbike zum Trainingsplatz. Was er zu sehen bekam, gefiel Favre so gut, dass Hertha zehn Tage gestern später Vollzug meldete. Vorerst bis zum 30. Juni 2010 wird der serbische Nationalspieler ausgeliehen, darüber hinaus sicherten sich die Berliner eine Kaufoption für weitere drei Jahre.

Pejcinovic soll helfen, einen Teil der Lücke auszufüllen, die Josip Simunic nach seinem Wechsel zu 1899 Hoffenheim in Herthas Abwehr hinterlassen hat. Komplett zu ersetzen ist einer wie Simunic nicht, der Kroate war in der vergangenen Saison immerhin der beste Innenverteidigung der Liga. Aber was Pejcinovic zu leisten in der Lage ist, zeigte er schon zwei Tage nach seinem ersten Training bei Hertha im Testspiel gegen den türkischen Ligasechsten Bursaspor. Beim 2:1-Sieg war der Serbe einer der besten Spieler auf dem Platz und fügte sich in das Berliner Defensivgefüge, als hätte er schon mindestens ein Jahr dort verteidigt. Der 1,84 Meter lange Serbe brillierte im Kopfballspiel, er verlor so gut wie keinen Zweikampf und machte das Spiel mit seinen Direktpässen sogar noch schneller, als es der eher ballverliebte Simunic früher tat.

„Taktisch ist er hervorragend“, befand Favre, und weil er so ein Kompliment noch keinem Spieler in seinen gut zwei Jahren bei Hertha gemacht hat, war eine Verpflichtung des 21-Jährigen vom FK Rad Belgrad schon früh nur eine Frage der Modalitäten. Rad hätte Pejcinovic gern verkauft, praktischerweise sitzt sein Agent auch im Vereinsvorstand. Zwei Millionen Euro, wie sie den Serben vorschwebten, mochte Hertha aber nicht investieren in einen Mann, der noch nie außerhalb Serbiens gespielt hat. Am Ende setzte sich Manager Michael Preetz mit seiner Vorstellung eines Leihgeschäfts durch.

Größter Fürsprecher des neuen Verteidigers war dessen Landsmann Gojko Kacar. Herthas Mittelfeldantreiber hatte mit Pejcinovic zuletzt bei der U-21-EM in Schweden gespielt. „Ich kenne ihn seit meiner frühesten Jugend“, sagt Kacar, „er hat großartige Anlagen und kann uns mit Sicherheit weiterhelfen. Ich bete dafür, dass wir in dieser Saison in derselben Mannschaft spielen.“ Diesen Wunsch haben ihm Preetz und Favre nun zwei Wochen vor dem Bundesligastart erfüllt.

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