Neuer Spielort ab 2010 : DFB-Pokalfinale der Frauen verlässt Berlin

Das Pokalfinale der Frauen geht nach Tagesspiegel-Informationen eigene Wege. Als neuer Austragungsort sind Duisburg, Frankfurt und München im Gespräch.

Friedhard Teuffel
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Berlin, Berlin, noch einmal Berlin. Die Frankfurterin Silke Rottenberg freut sich 2008 auch vor leeren Rängen über den Pokal.Foto: dpa

Der Frauenfußball emanzipiert sich ein bisschen weiter von den Männern. Vom nächsten Jahr an findet das DFB-Pokalfinale getrennt statt, das der Männer wie bisher in Berlin und das der Frauen an einem anderen Ort. Das bestätigte Hannelore Ratzeburg, die für den Frauenfußball zuständige Vizepräsidentin des Deutschen Fußball-Bundes, dem Tagesspiegel.

Seit 1985 wird das Pokalfinale der Frauen und Männer im Berliner Olympiastadion ausgetragen. „Nach 25 Jahren in Berlin und mit der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland will man einfach den nächsten Schritt gehen", sagte Ratzeburg. Auch terminliche Schwierigkeiten hätten zur Suche nach einem neuen Spielort geführt. „2011 wird die Saison wegen der WM schon im März vorbei sein. Da kann man kein Pokalfinale im Mai dranhängen", sagte Ratzeburg. Die Nationalspielerinnen müssten schließlich Zeit für Urlaub und eine ausreichende WM-Vorbereitung bekommen.

"Der Frauenfußball kann eine eigene Tradition entwickeln."

Um den Austragungsort Berlin werde der DFB zwar in ganz Europa beneidet, sagte Ratzeburg, „aber es ist manchmal ein bisschen enttäuschend, dass nicht so viele Zuschauer das Spiel sehen." Der Verband habe einiges unternommen, um den Tag des Pokalfinales attraktiver und kürzer zu gestalten und beispielsweise bei den Frauen das Elfmeterschießen bei Torgleichheit direkt an die reguläre Spielzeit angehängt. „Aber jetzt kann der Frauenfußball mit dem Pokalfinale eine eigene Tradition entwickeln", sagte Ratzeburg.

Der DFB bereite gerade die Ausschreibung für einen Austragungsort vor. Im März soll sie fertig sein, im Sommer könnte dann der Nachfolger von Berlin feststehen. „Es gibt schon interessierte Städte und Vereine. Ich würde mir wünschen, dass wir einen festen Austragungsort bekommen und nicht jedes Jahr woanders sind", sagte Ratzeburg. Vom neuen Ort erwartet die DFB-Vizepräsidentin unter anderem, „dass er möglichst aus allen Richtungen gut zu erreichen ist, also weder im äußersten Norden, noch im äußersten Süden liegt". Sie hofft auf mindestens 10 000 Zuschauer.

Zweifel am neuen Ort: Bleibt da der Frauenfußball unter sich?

Der Umzug aus Berlin wird innerhalb des Frauenfußballs kontrovers diskutiert. „Ich finde es sehr schade", sagte Kathrin Nicklas, die sich im Berliner und im Nordostdeutschen Fußball-Verband um den Frauenfußball kümmert und auch dem DFB-Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball angehört. „In Berlin haben viele das Finale gesehen, die noch nie Frauenfußball gesehen haben. An einem anderen Ort bleiben vielleicht die Fans des Frauenfußballs unter sich", sagte Nicklas. Dem neuen Weg wolle sie sich dennoch nicht verschließen: „Ein eigens Finale ist eben ein Vorbote der Welle, die durch die WM 2011 ausgelöst wird."

Auch innerhalb der Bundesliga findet die neue Lösung nicht nur Zustimmung. Siegfried Dietrich, Manager des Europapokalsiegers 1. FFC Frankfurt, sagte: „Für den Frauenfußball kann es eine sehr positive Sache sein. Ich persönlich hätte das Finale aber noch ein bisschen in Berlin gelassen." Der Charakter der Doppelveranstaltung mit den Männern und vier Millionen Fernsehzuschauer sprächen für Berlin. Dietrich kann sich als neuen Austragungsort München, Frankfurt am Main oder Duisburg vorstellen: „Ob das Pokalfinale schon an einem neutralen Ort stattfinden kann, wo kein starker Bundesligist zu Hause ist, weiß ich nicht."

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