Neuer Stürmer für Trainer Favre : Hertha holt Wichniarek

Der mit 13 Treffern zehntbeste Torjäger der vergangenen Saison wechselt aus Bielefeld zurück nach Berlin. "Ich will das wieder gut machen, was nicht geklappt hat", sagt Wichniarek.

Sven Goldmann,Stefan Hermanns
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Tor gegen Hertha Im Februar traf Wichniarek zum 1:1 gegen Torhüter Drobny.dpa

BerlinAls Dieter Hoeneß noch Manager bei Hertha BSC war, hat er mehr oder weniger vergeblich versucht, seinem großen Vorbild Bayern München nachzueifern. Kaum ist Hoeneß weg, bedient sich Hertha der Methoden, die von den Bayern schon seit Jahrzehnten praktiziert werden. Sie kaufen einfach die Spieler, die der eigenen Mannschaft besonders weh getan haben. Am Freitag vermeldete der Berliner Fußball-Bundesligist die zweite Verpflichtung für die kommende Saison. Es handelt sich um einen Stürmer, der gegen Hertha zuletzt sehr verlässlich getroffen hat: Artur Wichniarek kehrt nach dreieinhalb Jahren bei Arminia Bielefeld nach Berlin zurück. „Ich freue mich auf die zweite Chance“, sagte der Pole, der schon zwischen 2003 und 2006 für Hertha gespielt hat. „Ich will das wieder gut machen, was beim letzten Mal nicht geklappt hat.“

Mit Wichniareks Verpflichtung schreiben die Berliner die überraschende Transferpolitik dieses Sommers fort. Nach dem Verkauf des Publikumslieblings Josip Simunic an die TSG Hoffenheim holt Hertha nun einen 32 Jahre alten Stürmer, der beim eigenen Anhang allenfalls mäßig beliebt ist. Bei seinen letzten beiden Auftritten im Olympiastadion wurde Wichniarek von den Hertha-Fans unflätig beschimpft. „Die Vergangenheit ist die Vergangenheit“, sagte Trainer Lucien Favre.

Wichniareks Berliner Vergangenheit war alles andere als erfolgreich. Als er 2003 gemeinsam mit Fredi Bobic und Niko Kovac zu Hertha kam, sollte das der Angriff auf die Spitze werden, doch die hohen Erwartungen erfüllten sich nicht. Insgesamt zweieinhalb Jahre blieb der Pole bei Hertha, in 44 Bundesligaspielen für die Berliner erzielte er ganze vier Tore. Erst nach seiner Rückkehr zu Arminia Bielefeld fand Wichniarek zu alter Torgefahr zurück. Vor allem in den Spielen gegen Hertha. In sechs Begegnungen mit den Berlinern erzielte er drei Tore, allein in der vergangenen Saison vermasselte er Hertha zweimal den Sieg: Beide Male gingen die Berliner 1:0 in Führung, beide Male glich Wichniarek zum 1:1-Endstand aus.

Wichniarek erhält einen Zweijahresvertrag

Kein Wunder, dass Trainer Lucien Favre sagt: „Ich kenne ihn seit zwei Jahren, da hat er mir immer gefallen.“ Wichniarek gehe als Stürmer in die Tiefe, er sei extrem gefährlich und mache immer seine Tore. In der vorigen Saison war der Pole mit 13 Treffern der zehntbeste Torschütze der Liga. Bei Hertha bekommt Wichniarek einen Zweijahresvertrag, die Ablöse soll unter einer Million Euro liegen. Er habe auch andere Angebote gehabt, sagte der Pole, „aber nicht so gute wie das von Hertha“.

Aus dem aktuellen Kader haben nur Arne Friedrich und Pal Dardai mit Wichniarek bei dessen erstem Engagement in Berlin zusammengespielt. „Er ist immer für zwölf bis sechzehn Tore gut“, sagt Dardai. „Und wenn er in der nächsten Saison zwölf für uns schießt, ist das schon okay.“ Der Ungar hat Wichniareks schwierige Zeit in Berlin miterlebt – und alles getan, um ihm zu helfen. Nach seiner ersten mäßig ertragreichen Saison kam Wichniarek zu Dardai und flehte ihn an, ob er ihm nicht seine Trikotnummer, die 18, abtreten könne. Die habe ihm in Bielefeld Glück gebracht. „Er hat fast geheult“, berichtete Dardai. Doch selbst mit der alten neuen Trikotnummer wurde Wichniarek bei Hertha nie richtig glücklich. „Er hat seine Chance nicht genutzt“, sagt Dardai. „Aber manchmal ist es gut, wenn man eine zweite Chance bekommt.“ Wichniarek habe sich schließlich nichts zuschulden kommen lassen, deshalb sollten die Fans ihn auch nicht auspfeifen.

Wichniarek selbst sagt, er habe nie ein schlechtes Wort über Hertha verloren, sondern nur mit Dieter Hoeneß ein Problem gehabt. Das hat ihn sogar 26 500 Euro gekostet, weil er in einem Interview gegen die Verschwiegenheitsklausel in seinem Auflösungsvertrag verstoßen hat. Wichniarek hatte über Hoeneß gesagt: „Er hat mich meine Karriere gekostet. Er ist das Hauptproblem bei Hertha.“ Wäre der Manager noch im Amt, hätte es eine Rückkehr wohl nicht gegeben. Von beiden Seiten nicht.

Schon am Samstag, im Testspiel bei Rot- Weiß Prenzlau (17 Uhr), soll Wichniarek zum ersten Mal wieder das Hertha-Trikot tragen. Favre will ihn eine Halbzeit lang spielen lassen. „Er kommt und ist voll dabei“, sagt Pal Dardai. Seine Eingewöhnungszeit hat Artur Wichniarek schließlich schon gehabt. Zweieinhalb Jahre lang, zwischen 2003 und 2006.

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