Sport : Neuer Trainer, altes Leid

Der 1. FC Union verliert auch mit Aleksandar Ristic – 1:3 gegen Eintracht Trier

Karsten Doneck

Berlin. Der Empfang war stilvoll: Das Publikum auf der Haupttribüne erhob sich von den Sitzen und applaudierte dem Mann im roten Pullover stehend. Aleksandar Ristic lächelte artig und winkte. Richtig rührselig geriet die Szene, als ihm ein weiblicher Fan in Höhe der Mittellinie als Willkommensgruß einen Blumenstrauß überreichte. Nach dem Schaulaufen über rund 80 Meter entlang der Haupttribüne nahm Ristic seinen Arbeitsplatz vor der Bank des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union ein. Nach den Herzlichkeiten lernte Ristic schnell die tristen Seiten seines neuen Jobs kennen. Die stark abstiegsbedrohten Köpenicker verloren das erste Spiel unter Ristic 1:3 (1:0) gegen Eintracht Trier, und keiner unter den 7599 Zuschauern wird ernsthaft behaupten, das Resultat entspräche nicht den dargebotenen Leistungen.

„Ich kann nicht über Nacht so viel Schwung reinbringen, wie nötig gewesen wäre“, entschuldigte sich Aleksandar Ristic hinterher. Am Mittwoch hat er das Traineramt übernommen. In den vier Trainingstagen vor dem Spiel hat er zumindest eines bewirkt: dass seine Mannschaft 20 Minuten lang Spielfreude zeigte, sich emsig um Kombinationsfußball bemühte, auch bei Freistößen mal mit ein paar überraschenden Varianten aufwartete. Nicht zufällig glückte Steffen Baumgart aus diesen vielversprechenden Ansätzen heraus das Führungstor.

Was dann aber zwischen der 21. und 90. Minute passierte, war aus Sicht Unions Gruselfußball. „Eigentlich hätte uns die Anfangsphase doch Mut geben müssen, aber dann ist plötzlich alles zusammengefallen wie ein Kartenhaus“, rätselte Mittelfeldspieler Thomas Sobotzik über die Ursachen des krassen Leistungsabfalls. Trier kam auf. Und wie. Nico Patschinski traf erst in aussichtsreicher Position das Außennetz, Markus Lösch knallte den Ball an die Latte, dann scheiterte Patschinski am Pfosten. Unions Halbzeitführung war äußerst schmeichelhaft. Und in der Pause begann am Bratwurststand im Stadion bereits die Nörgelei. „Da geben die viel Geld für einen neuen Trainer aus, und nichts wird besser“, lästerte einer der Wartenden.

Besser? Es kam noch viel schlimmer. Zwei Kopfballtore von Patschinski, beide vorbereitet vom eingewechselten Racanel, sowie ein Fernschusstreffer von Pekovic versetzten Union den K.o., Budisa hatte zudem mit einem Kopfball an die Querlatte Pech. Unions Chancen nach der Pause? Es gab keine.

„Die Trierer haben unseren Angsthasenfußball ausgenutzt“, gestand Aleksandar Ristic nachher ein und stellte ganz sachlich fest: „Im Zweikampfverhalten und bei der Schnelligkeit – da hat man bei beiden Mannschaften deutliche Unterschiede gesehen.“ Nicht ausgeschlossen, dass Ristic seine Unterschrift unter den Vertrag bis Saisonende bald bereut. Es wird immer mehr offenkundig, dass die Substanz in Unions Kader den Anforderungen in der Zweiten Bundesliga nicht genügt. Das ist in erster Linie Folge von Unions bedauernswerter Finanzlage, die keine großen Spielertransfers zuließ. Erst in zweiter Linie trifft auch den geschassten Trainer Mirko Votava eine Mitschuld. Er hat schließlich für wenig Geld das Personal für diese Saison ausgewählt.

Und dabei Fehler gemacht. Da gab es zum Beispiel mal die Aktion, den früheren Union-Stürmer Nico Patschinski zurückzuholen in die Wuhlheide. Das Präsidium, damals noch unter Heiner Bertram, wollte den Transfer realisieren, Votava lehnte ab. Patschinski schoss gestern zwei Tore – nicht für, sondern gegen Union. Mit dem Herzen ist der Stürmer indes Unioner geblieben. „Votava ist ja nicht mehr da, also empfinde ich meine beiden Tore auch nicht als Genugtuung“, sagte Patschinski.„Es tut mir Leid für Union, aber ich bin jetzt Profi in Trier, und nur das zählt.“ Mitleid statt Punkte – Union bringt das im Abstiegskampf nicht weiter.

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