Sport : Neuer Trainer, neuer Erfolg

Auf Anhieb holte Coach Pavicevic mit Alba den Titel

Helen Ruwald

Bonn - Als Luka Pavicevic im vergangenen Sommer von Panionios Athen zu Alba Berlin kam, hatte er erst eine vierjährige Trainerkarriere hinter sich. Der unerfahrene Henrik Rödl wurde durch den alles andere als erfahrenen Serben ersetzt. Dennoch hatte Pavicevic die Alba-Bosse beeindruckt. „Egal ob im Sport oder wirtschaftlich, ich habe selten jemanden mit dieser Klarheit in der Führung erlebt, wie er sie hat“, sagte Alba Berlins Aufsichtsratssprecher Axel Schweitzer vor Saisonbeginn. „Wenn ich ihm in die Augen schaue, sehe ich hohen Siegeswillen und Emotionen.“ Pavicevic bekam einen Dreijahresvertrag, die Zielsetzung war klar: Er sollte Alba nach dem Aus im Play-off-Viertelfinale gegen Quakenbrück, dem schlechtesten Abschneiden der Vereinsgeschichte, wieder ganz nach oben führen. Das gelang Pavicevic bereits in seinem ersten Jahr in Berlin, gestern Abend wurde der Titelgewinn für Alba perfekt.

Es war ein schwieriges Jahr, mit vielen Verletzten und Widrigkeiten. Kaum hatte Nationalspieler Johannes Herber erkannt, dass es unter dem neuen Trainer „mehr Vorgaben gibt, selbst das Aufwärmen ist strukturiert“, da riss sein Kreuzband. In der Vorbereitung hatte es Goran Jeretin erwischt. Der Routinier war als neuer Spielmacher eingeplant gewesen und sollte der Dreh- und Angelpunkt der erneut völlig neu zusammengekauften Mannschaft sein. Diese Rolle musste notgedrungen der talentierte, aber unerfahrene Bobby Brown übernehmen. Mit viel Ansprache von Pavicevic, der als Spielmacher dreimal die Europaliga gewonnen hatte, steigerte sich Brown im Laufe der Saison enorm. In den Play-offs aber gehörte er zu den stärksten Berlinern.

Zumindest er blieb von größeren Verletzungen verschont, im Gegensatz zu vielen seiner Teamkollegen: Mit Nico Simon (Rückenprobleme) fehlte ein weiterer Aufbauspieler die gesamte Saison, dazu kamen wochen- und monatelange Ausfälle von Dragan Dojcin und Aleksandar Rasic. Goran Nikolic spielt seit Monaten mit Meniskuseinriss, Immanuel McElroy bestreitet die Play-offs mit Bänderdehnung links und Wadenzerrung rechts. Vier Spieler wurden nachverpflichtet, vier mussten während der Saison gehen, weil sie überflüssig wurden wie Stefanovic und Subotic, nicht mit dem Trainer klar kamen wie der hoch gelobte Bradley oder wegen Disziplinlosigkeit aus dem Kader flogen wie Thompson. All das brachte viel Unruhe in ein Team, das Pavicevic immer wieder neu zusammenbauen musste. Mit riesigen Leistungsschwankungen auch innerhalb eines Spiels trieb Alba seine Fans zum Wahnsinn. Im Dezember gewann Alba im Uleb-Cup das unglaubliche Spiel gegen Bosna Sarajevo nach fünf Verlängerungen und siegte beim Deutschen Meister Bamberg mit 80:60. Beim Rückspiel in Bosnien aber versagte die Mannschaft und schied, wieder einmal, vorzeitig aus dem Uleb-Cup aus. Saisonziel eins war verfehlt.

Als Glück für Alba erwies sich im Februar das Pech der Köln 99ers. Weil der Klub in finanziellen Problemen steckte, verließen die Stars Immanuel McElroy und Aleksandar Nadjfeji Köln – und unterschrieben bei Alba. Sie brachten nicht nur spielerische Klasse ins Team, sondern überzeugten von Tag eins an mit Kampfgeist und Führungsqualität. Kaum vorstellbar, dass Alba ohne sie Meister geworden wäre.

Mit ihnen beendeten die Berliner die Hauptrunde als Erster, unterlagen aber im Pokal-Halbfinale Quakenbrück. Saisonziel zwei war verpasst, Ziel drei, der Meistertitel, schien in Gefahr. Zu Play-off-Beginn war Alba die Favoritenrolle los, doch dann scheiterten Pokalsieger Quakenbrück, Meister Bamberg und der Hauptrunden-Dritte Leverkusen schon im Viertelfinale. Alba hingegen deklassierte im Viertelfinale Bremerhaven, behielt im Halbfinale gegen Oldenburg die Nerven und setzte sich im Finale gegen die Bonner durch. Pavicevic hat seine Mission erfüllt. Helen Ruwald

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