Neuer Trainer Velimir Petkovic : Füchse Berlin: Gewagter Kurswechsel

Der neue Füchse-Coach Velimir Petkovic gilt als krasser Gegenentwurf zu seinem Vorgänger Erlingur Richardsson. Trotzdem könnte der 60 Jahre alte Bosnier genau der richtige Mann für den Moment sein. Ein Kommentar.

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Velimir Petkovic soll die Füchse in die nationale Spitze führen.
Velimir Petkovic soll die Füchse in die nationale Spitze führen.Foto: dpa

Bob Hanning ist immer für eine Überraschung gut. Kein anderer Handball-Manager des Landes wäre etwa auf die Idee gekommen, vor ein paar Jahren einen alternden Star wie Iker Romero in die Bundesliga zu holen, der sich dann zum vielleicht glücklichsten Glücksgriff der jüngeren Vereinsgeschichte entwickeln sollte. Die Entscheidung, mit der die Füchse Berlin in dieser Woche an die Öffentlichkeit gegangen sind, hat nun sogar noch größeres Staunen ausgelöst: Velimir Petkovic, 60 Jahre alt, geboren in Tihaljina im heutigen Bosnien und seit 30 Jahren in Deutschland wohnhaft, soll die Füchse also in die nationale Spitze führen und nicht nur ins Verfolgerfeld hinter dem gesetzten Spitzentrio aus Kiel, Flensburg und Mannheim. Am Donnerstag hat sich Petkovic auch offiziell vorgestellt, am Sonntag in Flensburg sitzt er zum ersten Mal auf der Bank.

Es ist eine mutige – manche sagen auch: gewagte – Entscheidung. Bisher haben es die Berliner mit ihren Trainern nämlich ähnlich gehandhabt wie mit ihrem Profi-Kader: Im Sinne der Entwicklungsfähigkeit haben sie jungen und aufstrebenden Menschen vertraut, genau so wie es Manager Hanning in seiner Funktion als DHB-Vizepräsident übrigens in der Bundestrainer-Frage tut. So gesehen ist Petkovic, ein emotionaler und strenger Coach, ein krasser Gegenentwurf zu seinem Vorgänger Erlingur Richardsson und zu den Gesetzmäßigkeiten des Vereins.

Andererseits könnte Petkovic genau der richtige Mann für den Moment sein. Abgesehen von den größtenteils guten Ergebnissen haben die Berliner Profis in dieser Saison regelmäßig seltsame Eindrücke hinterlassen: In manchen Begegnungen wirkten sie einfallslos und verunsichert, in manchen sogar emotionslos und unmotiviert. Fast immer fehlte eine ordnende Hand. Gewissermaßen haben die Profis selbst dafür gesorgt, dass sie nun einen Trainer der alten Schule vor die Nase gesetzt bekommen. Was in naher Zukunft auf sie zukommt, hat Petkovic am Donnerstag umrissen. Auf die Frage, was ihm als Trainer besonders wichtig sei, hat er nur ein Wort geantwortet: „Disziplin.“

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