Sport : Neuer Wirbel um Coast

Jan Ullrichs Radrennstall soll pleite sein

Hartmut Scherzer

Berlin. Rudy Pevenage, der Sportdirektor, machte gestern am Telefon einen etwas gedrückten Eindruck. Er wollte sich nicht zum neuesten Gerücht um die Radrennmannschaft Coast äußern. „Das ist die Sache von unserem Pressesprecher Marcel Wüst“, sagte Pevenage.“ Immerhin wusste der Belgier bereits, was anderntags in der Zeitschrift „Sport-Bild“ stehen würde: „Amtlich! Jan-Ullrich-Rennstall ist pleite.“ Diese Vorabmeldung hatte die Zeitschrift am Dienstag veröffentlicht. Gegen die Firma RSM (Rad Sport Marketing) GmbH - das ist die von Coast finanzierte Betreiber-Gesellschaft, bei der alle Radprofis, also auch Jan Ullrich, unter Vertrag stehen – laufe ein Insolvenzverfahren. Das Wochenblatt, so die Ankündigung, drucke den amtlichen Gerichtsbeschluss.

„Ein aufgebauschtes Ding“, nannte der ebenfalls bereits informierte Ullrich-Manager Wolfgang Strohband in einer ersten Reaktion die Ankündigung. „Aus dieser Nummer sind wir ganz schnell wieder raus“, sagte Wüst optimistisch. Coast-Chef Günther Dahms wiegelte gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) ab: „Von Insolvenz oder Konkurs kann keine Rede sein. Es geht um einige ausstehende Rechnungen einiger Fahrer, die sie vorlegen müssen. Die Prüfung des Finanzamtes kann noch drei Monate dauern und hat überhaupt keine Auswirkung auf unseren Rennbetrieb“, erklärte Dahms gegenüber dpa. In der strittigen Steuerfrage geht es um Forderungen spanischer und dänischer Coast-Fahrer, ihnen müssten die einbehaltenen 16 Prozent Mehrwertsteuer ausbezahlt werden.

Beim Radsport-Weltverband UCI wusste man noch nichts von einer neuen Affäre um das Coast-Team. „Für uns gibt es bis jetzt kein neues Problem“, sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani. Dabei wacht der Dachverband gegenwärtig besonders streng darüber, dass bei Coast „alles in Ordnung ist“. Wegen finanzieller Säumnisse des Sponsors war der Mannschaft im März für zwei Wochen die Lizenz entzogen worden. Jan Ullrich musste zweimal bis wenige Stunden vor dem Start auf die Bankgarantie für drei Monatsgehälter und die damit verbundene Fahrerlaubnis warten. Jetzt aber, versicherte Strohband, sei die Finanzierung Jan Ullrichs bis zum Jahresende gesichert. Der ehemalige Tour-Sieger hatte zu Beginn des Jahres bei Coast einen Dreijahresvertrag unterschrieben, der ihm über sieben Millionen Euro einbringen soll.

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