Sport : Neues Gesicht im verstrickten Fall (Kommentar)

Jörg Wenig

Bei der verworrenen Dopinggeschichte um Dieter Baumann muss man immer mehr aufpassen, damit man sich nicht im Gestrüpp von Beschuldigungen, Fakten und Vermutungen verläuft. Jetzt hat der spektakuläre Dopingfall eine weitere Geschichte zu bieten, die an dem Namen des vor einigen Jahren noch sehr umstrittenen Leitenden Bundestrainers des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) festgemacht wird: Bernd Schubert.

Schubert, der zuletzt beim DLV offenbar erfolgeich gearbeitet hat, war in das Dopingsystem der DDR verstrickt. Der frühere Cheftrainer des SC Karl-Marx-Stadt - nach der Wende im Jahr 1990 in dieser Position auch beim Deutschen Verband für Leichtathletik (DVfL) - hatte 1992 in einem Gerichtsprozess eine empfindliche Niederlage einstecken müssen. Er darf nach diesem Urteil als "ausgewiesener Fachdoper" bezeichnet werden. In einem anonymen Brief wurde Bernd Schubert jetzt beschuldigt, Drahtzieher in der Affäre um die beiden manipulierten Zahnpastatuben Dieter Baumanns zu sein. Er passt einigen Leuten gut ins Bild, auch weil er aus dem Osten kommt. Doch das ist ein bisschen zu einfach. Es erinnert stark an die abstrakte Theorie, dass Baumanns Konkurrenten Damian Kallabis und Stephane Franke während eines Trainingslagers Baumanns Zahnpastatuben ausgetauscht haben sollen. In diesem Zusammenhang gab die Staatsanwaltschaft kürzlich bekannt, dass es keine weiteren Ermittlungen gegenüber Athleten geben wird. Schubert wird befragt werden, weil jedem Hinweis natürlich nachgegangen wird. Doch wenn diese Details in die Öffentlichkeit gelangen, wird die Verwirrung nur umso größer. Die Frage ist, ob jemand hier bewusst derartige Informationen streut und mit welchem Ziel das gemacht wird. Helfen wird dies Dieter Baumann kaum. Nur die durch die Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Gutachten könnten ihn vielleicht entlasten.

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