Sport : Neues Glück

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Von Benedikt Voigt

Berlin. Mal angenommen, es stünde in Wimbledon das Achtelfinale an. Weiter angenommen, die deutschen Tennisspielerinnen Martina Müller und Anca Barna hätten es bis unter die letzten 16 geschafft und spielten gleichzeitig auf verschiedenen Plätzen. Zu welcher Spielerin würde der deutsche Damen-Bundestrainer wohl gehen? Schur sagt: „Das ist doch keine Frage, zu Müller." Es ist das Pech der Anca Barna, dass sie bereits 25 Jahre alt ist. Zu alt, um für den Deutschen Tennis-Bund noch als Hoffnungsträgerin zu gelten. „Ich beobachte sie“, sagt der Bundestrainer, „aber aus einiger Entfernung.“ Zwar steht die 73. der Weltrangliste nur noch 13 Plätze hinter Martina Müller, die Aufmerksamkeit des Bundestrainers aber bekommt die 19-Jährige. Seit zehn Jahren spielt Barna bereits in der Tennis-Welt herum, zu unbedeutend waren seither ihre Resultate, als dass man ihr den Sprung nach vorne zutrauen würde. Doch in letzter Zeit ändert sich etwas, plötzlich geht es langsam, aber stetig voran in der Weltrangliste. Bei den German Open steht sie nach dem 4:6, 6:2, 7:6 (12:10) über Rita Grande in der zweiten Runde.

Zwei Stunden und 32 Minuten hatte sie in langen Grundlinienduellen gekämpft, bis sie die Italienerin geschlagen hatte. Eine Woche zuvor in Hamburg gelangte sie nach einem Sieg über die Schweizerin Patty Schnyder bis ins Achtelfinale, und beim WTA-Turnier in Estoril war gar erst im Finale gegen die Spanierin Magui Serna Endstation.

Auf Rang 110 hatte die gebürtige Rumänin vor diesem Jahr gestanden. „Mein Ziel vor der Saison war, unter die besten 80 zu kommen“, sagt Barna, „das habe ich schon erreicht.“ Wenn sie sagen soll, wohin es jetzt gehen soll, wirkt sie fast ein wenig ratlos. „In die Top 50“, sagt sie nach kurzem Zögern. Einen Titel hat sie immerhin schon, sie ist Deutsche Meisterin, weshalb sie für das Turnier in Berlin eine Wild Card erhielt. Warum aber plötzlich diese Erfolge? „Ich habe einen neuen Trainer“, erklärt Barna, „er ist gleichzeitig mein Freund, wir sind immer zusammen." In Deutschland ist sie dennoch unbekannt. Erst vor drei Jahren nahm sie die deutsche Staatsbürgerschaft an. Als sie zehn Jahre alt war, war sie mit ihren Eltern aus Rumänien geflüchtet.

Inzwischen wohnt sie in Deutschland, spricht die Sprache mit einem leichten osteuropäischen Akzent. „Als Rumänin hatte ich auf der Tour einige Probleme mit dem Visum“, erzählt sie, „zu manchen Turnieren konnte ich gar nicht fahren.“ Das war einer der Gründe, warum sie die Staatsbürgerschaft wechselte. „Außerdem lebe ich ja schon so lange in Deutschland."

In Berlin hatte sie mit Rita Grande einige Mühe. Erst den fünften Matchball konnte sie im Tie-Break zum Sieg verwandeln. „Ich hatte auch Glück“, gibt Barna zu. Zwei Matchbälle hatte sie zuvor in einem Spiel, das von Grundlinienduellen dominiert war, nur mit Mühe abwehren können. „Ich habe nicht genug Druck reingebracht“, sagte Barna später. In der zweiten Runde trifft sie nun auf die Siegerin des Duells Katarina Srebotnik gegen Silvia Farina Elia. „Eine schwere Aufgabe“, sagt der Bundestrainer, „aber sie kann es schaffen." Anca Barna hat sich nach vorne gearbeitet. „Sie ist im Bereich der Fedcup-Mannschaft“, sagt Schur. An welcher Stelle, will er nicht sagen, immerhin stehen Marlene Weingärtner oder Barbara Rittner inzwischen in der Weltrangliste nur noch knapp vor ihr. „Sie hat sehr gute kämpferische Qualitäten“, lobt Schur, „das hat man gegen Grande gesehen.“ Natürlich hatte er in Berlin das Erstrundenspiel von Anca Barna beobachtet.

Martina Müller spielte ja auch nicht gleichzeitig.

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