Sport : Neues Limit

Hertha spielt am oberen Rand der eigenen Möglichkeiten, nächste Saison könnte das nicht mehr reichen

Stefan Hermanns

Berlin - Die Personalie Christian Fiedler steht nach langer Reife nun doch vor dem Abschluss. Dem Torhüter von Hertha BSC liegt ein neues Vertragsangebot vor. Drei weitere Jahre kann er beim Berliner Fußball-Bundesligisten bleiben, er muss nur noch den Vertrag unterschreiben. Im Großen und Ganzen war nichts anderes zu erwarten. Schließlich hat Fiedler erheblichen Anteil an der erfreulichen Entwicklung der Berliner. In 23 Saisonspielen hat er erst 20 Tore zugelassen.

Am Samstag, beim 4:1 gegen den HSV, war Fiedler „der beste Mann auf dem Platz, ohne Wenn und Aber“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Immer häufiger erfährt der 30 Jahre alte Torhüter auch aus den eigenen Reihen die Achtung, die er lange vermisst hat. Noch im Herbst war bei Fiedler zwischen den Zeilen zu hören, dass er sich eher geduldet fühlt als wirklich geschätzt. In der Tat erweckte der Verein den Eindruck, dass er Fiedler zwar für einen soliden Torhüter hält, dass man für einen Angriff auf höhere Ziele auf dieser Position jedoch nachbessern müsse.

Offenbar haben Fiedlers starke Leistungen zu einem Sinneswandel geführt. Wenn er den neuen Vertrag unterzeichnet, wird Hertha mit dem eher kleinen Torhüter im kommenden Jahr wieder größere Ziele anpeilen. Nach zwei Jahren des Umbruchs scheint die Mannschaft wieder dahin zurückzukehren, wo sie schon einmal war. Die Qualifikation für den Uefa- Cup ist möglich, selbst der Einzug in die Champions League nicht ausgeschlossen.

Eine solche Entwicklung hätte vor der Saison niemand erwartet. Herthas Erfolg ist das Resultat einer starken Mannschaftsleistung, allerdings spielen die Berliner eher am oberen Limit ihrer Möglichkeiten. Ob dies auch für internationale Ansprüche genügen würde, ist fraglich. Das zeigt das Abschneiden der deutschen Mannschaften im Europapokal: Schalke liegt in der Bundesliga auf Platz zwei, ist im Uefa-Cup aber an Schachtjor Donezk gescheitert. Werder Bremen gilt zwar als Meisterschaftskandidat, hat in der Champions League aber 0:3 gegen Lyon verloren, und Hertha selbst ist bei den letzten beiden Auftritten im Uefa-Cup gegen einen Schweizer und einen polnischen Verein ausgeschieden.

Die Mannschaft soll nach der Konsolidierung nun schrittweise wieder auf gehobenes Niveau gebracht werden. Manager Hoeneß will den Kader auch vor der neuen Saison wieder nur punktuell ergänzen, „auf zwei, maximal drei Positionen“. Nationalspieler Patrick Owomoyela wird als Verpflichtung für die neue Saison gehandelt. „Wir haben mit ihm schon geredet, da wussten andere noch nicht einmal, wie man seinen Namen ausspricht“, sagt Hoeneß. „Absolute Priorität hat aber ein Stürmer.“ Und das nicht nur, weil Fredi Bobic und wohl auch Artur Wichniarek Hertha im Sommer verlassen werden. Hoeneß hat mehrere Kandidaten im Auge, „jetzt wird das Netz enger gezogen“. Eine Entscheidung sei jedoch nicht vor Mai zu erwarten.

Die Mannschaft, deren Stärken in der Defensive liegen, benötigt mehr denn je einen echten Torjäger. Das Funktionieren des Systems von Trainer Falko Götz beruht darauf, dass sich die Offensivkräfte an der Abwehrarbeit beteiligen. So ähnlich – auf höherem Niveau natürlich – lässt auch José Mourinho den FC Chelsea spielen. Damit der ganze Aufwand nicht vergeblich betrieben wird, verlangt Mourinho von seinen Stürmern hohe Effizienz. Mit Erfolg: In dieser Saison hat Chelsea neunmal 1:0 gewonnen.

Die Frage ist nur, ob ein kaltblütiger Strafraumstürmer in Herthas aktuelles System passen würde. Bobic und Wichniarek haben sich im Sturmzentrum oft allzu vernachlässigt gefühlt, weil Herthas Spiel viel zu sehr durch die Mitte angelegt ist. Trotzdem sagt Manager Hoeneß: „Wenn wir auch noch einen Stürmer hätten, der pro Saison zwölf Tore schießt, wären wir in ganz anderen Regionen.“ Das soll dann in der nächsten Saison kommen.

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