Sport : Neues Rennen, alte Sieger

Raich gewinnt in Wengen bei der Premiere der Super-Kombination vor Kjus

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Wengen/Berlin – Im HaneggSchuss hatte Michael Walchofer eine Spitzengeschwindigkeit von 155,3 Stundenkilometern. Noch nie war ein Skirennfahrer an dieser Stelle der Lauberhorn-Abfahrt schneller als gestern der österreichische Abfahrts-Weltmeister. Nur nützte dies dem Routinier nichts. Er landete gestern beim Weltcup trotzdem nicht unter den besten Zehn. Aus einem einfachen Grund: Gestern wurde am Mittag in Wengen, im Berner Oberland, nicht bloß eine Abfahrt ausgetragen, sondern am Vormittag auch noch ein Slalom. Das Ganze nannte sich „Super-Kombination“, erlebte gestern seine Premiere, und am Ende stand ein Landsmann von Walchofer ganz oben auf dem Podest. Benjamin Raich hatte diesen neuen Wettbewerb gewonnen. Der 26-jährige Österreicher ist ein bekanntes Gesicht auf dem Siegertreppchen. Er hatte nach einem Slalom-Durchgang und der verkürzten Abfahrt eine Gesamtzeit von 2:28,37 Minuten. Zweiter wurde Lasse Kjus (Norwegen/2:28,69) vor Didier Defago (Schweiz/ 2:29,77).

Eigentlich war Bode Miller der Topfavorit für dieses neue Rennen. Aber der US-Amerikaner, der in der Gesamtweltcup-Wertung souverän führt, schied bereits im Slalom aus. Ausgerechnet Miller, der sonst für seine riskante Fahrweise bekannt ist, fuhr gestern zu verhalten. „Ich bin auf Sicherheit gefahren. In Zukunft werde ich wieder alles riskieren“, sagte der 27-Jährige. Lasse Kjus dagegen blieb gelassen. „Egal, was Neues ausprobiert wird. Die bisherigen Ersten werden auch künftig vorne sein“, sagte der Routinier.

Aber ist dieser neue Wettbewerb wirklich so toll? Das war gestern eine der großen Fragen. Fernsehen und Sponsoren verlangen ständig neue Ideen. Doch Innovationen haben ihre Grenzen. Nur wenige Topfahrer sind im Slalom und in der Abfahrt annähernd gleich gut, so dass nur wenige als Favoriten in Frage kommen. Viele Fahrer dagegen starten nur, um in ihrer Spezialdisziplin, entweder Abfahrt oder Slalom, Wettkampfpraxis zu sammeln oder für die Spezialrennen zu trainieren. Hermann Maier zum Beispiel, der Olympiasieger aus Österreich. Maier wurde Neunter, weil er unerwartet gut Slalom gefahren war. Aber er sagte auch: „Für mich war das eigentlich nur ein Training für die Abfahrt.“ Für die legendäre Lauberhorn-Abfahrt auf der Originalstrecke. Die findet heute statt. Max Rauffer, der Abfahrtssieger von Gröden, war gestern erst gar nicht am Start. Für ihn zählt nur die Spezialabfahrt.

Günter Hujara hat die „Super-Kombination“ erfunden, der deutsche Renndirektor beim Weltverband Fis. „Bei nur einem Slalom-Durchgang haben endlich auch die Abfahrer eine Siegchance“, sagte er. Bislang bestand die Kombination aus zwei Slalom-Durchgängen und einer verkürzten Abfahrt. Das neue Modell soll auch in der nächsten Saison eingesetzt werden. Wahrscheinlich werden dann außer in Wengen auch in Val d’Isere und in Chamonix Super-Kombinationen stattfinden. Bei den Frauen startet die erste Super-Kombination am 25. Februar 2006 in San Sicario/Italien, als Teil der Testrennen für die Olympischen Winterspiele. Die beginnen kurz danach. Ohne Super-Kombination. Tsp

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