Sport : Neues Rollenspiel

Die Hamburg Freezers spielen derzeit besser Eishockey als die Berliner Eisbären

Claus Vetter/Mathias Klappenbach

Berlin. Auf den ersten Blick geben die Hamburg Freezers ein harmonisches Bild ab. Die Ränge in der feudalen Großarena im Hamburger Volkspark sind regelmäßig voll besetzt, im Durchschnitt wollen fast 11 000 Zuschauer die Freezers sehen. Und die hatten zuletzt viel Grund zum Jubeln. Die Freezers sind in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zurzeit das Team überhaupt: Neun der letzten zehn Spiele haben sie gewonnen, der Tabellendritte geht auch heute (19.30 Uhr) als Favorit in das Heimspiel gegen die auf dem zweiten Platz liegenden Eisbären.

Doch beim Blick hinter die Fassade sieht bei den Freezers einiges anders aus. Ihr zweitbester Scorer Andrew Schneider hat für die kommende Saison schon in Düsseldorf unterschrieben. Schneider soll nicht der einzige Spieler der Freezers sein, der einen besser dotierten Vertrag gefordert hat. Doch solche Wünsche stießen beim Klub bislang auf hanseatische Sturheit. Die Freezers, die genau wie die Eisbären zum Imperium der Anschutz-Gruppe gehören, wollen keine höheren Gehälter zahlen, auch nicht an Cheftrainer Dave King. Der vor dieser Saison noch in der nordamerikanischen Profiliga NHL arbeitende King hat seinen auslaufenden Vertrag bislang nicht verlängert. „Wir sind nach wie vor im Gespräch“, sagt Chris Reynolds, der Sportdirektor der Freezers.

Trotz der ungeklärten Zukunft sind Coach King und die Spieler im Laufe der Saison zusammengerückt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten verbesserte sich die Kommunikation zwischen Team und Trainer stetig. „Die Mannschaft hat nach unseren schwachen Leistungen dazugelernt. Jetzt sind wir voll da, rechtzeitig vor den Play-offs“, sagt Reynolds. Selbst schwierige Spieler wie der vor einigen Wochen aus Frankfurt verpflichtete Robert Francz stellen sich in den Dienst der Mannschaft. Der als disziplinlos geltende Francz, vor einigen Jahren als größtes deutsches Nachwuchstalent gehandelt und dann in den USA untergegangen, erzielte am Sonntag beide Treffer beim Sieg in Iserlohn. Heute wollen sich die Hamburger von einem Trauma befreien: Noch nie in ihrer jungen DEL-Geschichte ist ihnen gegen die Eisbären ein Sieg nach regulärer Spielzeit gelungen.

Die Berliner haben am Wochenende die Tabellenführung verloren. Dass sie momentan nicht das spielen, was sie können, ist auch ihrem Manager klar. Peter John Lee kann den 25. Januar kaum erwarten: Ab dann pausiert die DEL wegen einiger Auftritte des Nationalteams bis zum 12. Februar. „Die nächsten Spiele in Hamburg und gegen Frankfurt werden ganz hart“, sagt Lee. „Wir müssen versuchen, uns irgendwie in die Pause zu retten. Und wenn dann unsere verletzten Spieler zurückkommen, sollte das alles wieder ganz anders aussehen.“

Nicht kommentieren wollte Lee die Meldung, dass Stefan Ustorf von der nächsten Saison an für die Eisbären spielt. Nach Tagesspiegel-Informationen soll der Kapitän der Nationalmannschaft, derzeit noch beim Meister Krefeld Pinguine, einen Zweijahresvertrag erhalten haben.

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