• NEULICH im WM-Quartier von 11 Freunde und Tagesspiegel: Fear and Loathing an der Revaler Straße

NEULICH im WM-Quartier von 11 Freunde und Tagesspiegel : Fear and Loathing an der Revaler Straße

Wer wird der Finalgegner der deutschen Nationalmannschaft? Eine einigermaßen kommode Frage, die die Besucher des Quartiers von 11 Freunde und Tagesspiegel während des Halbfinales zwischen Uruguay und den Niederlanden am Dienstagabend beschäftigte – lenkte sie doch von der peinigenden Tatsache ab, dass Deutschland noch gar nicht im Finale steht. Hinfort mit dir, verdammte Realität!

Und so wurde eifrig diskutiert, wer im Endspiel leichter zu schlagen sein würde. Es bildeten sich Lager, die die eine oder die andere Mannschaft anfeuerten, jedoch nur, um sie am Sonntag verlieren zu sehen. Sind solche Leute eigentlich schon Modefans?

Über diesen Zweifel erhaben waren diejenigen, die Oranje die Daumen drückten, damit das Duell Bastian Schweinsteiger gegen Mark van Bommel zustande kommen würde. „Schweini wird’s dem schon zeigen“, freuten sie sich schon. Doch auch sie waren hin- und hergerissen: Sollten sie dem Rüpel Van Bommel nun die Rote Karte an den Hals wünschen oder hoffen, dass er verschont bliebe, damit Schweini es ihm auch wirklich zeigen könnte? Es ist wie mit der Liebe: Die WM kann ja so kompliziert sein!

Als Holland schließlich gewonnen hatte, herrschte nachdenkliche Bossa-Nova-Stimmung an der Revaler Straße. Nun war es also amtlich: Der Erzrivale wartete im Endspiel. Und – ach ja! – vor diesem Rendezvous stand noch das Spiel gegen den amtierenden Europameister Spanien ins Haus. Würden die Deutschen das schaffen? Vor allem: Würde man selbst das durchstehen? Überall standen, saßen, kauerten Gestalten, die gerne bis zum Finalsieg durchschlafen würden. Aber dann könnte man ja auch nicht ins 11 Freunde-Quartier gehen, den wohl besten Ort in ganz Berlin, um diskutierend die Realität in ihre Schranken zu verweisen, sich aneinander festzuhalten und Mut zu machen.

„Wenn wir Spanien schlagen, sind wir Weltmeister“, sagte ein Besucher im Tonfall eines Patenonkels. Dabei legte er den Arm um seinen Kumpel. Der brauchte offenbar Zuspruch. Weil er Angst vorm Scheitern hatte? Oder weil er auch dann noch etwas zum Freuen braucht, wenn unser WM-Quartier nach dem Finale seine Tore wieder schließt? Eine Mischung aus beidem vielleicht. Es war aber auch schön. Wirklich schön. Dirk Gieselmann

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