Sport : Neun Monate Sperre für Thomas Ziemer vom 1. FC Nürnberg

Mit der höchsten jemals in der Bundesliga verhängten Strafe hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein drastisches Urteil im Dopingfall Thomas Ziemer gefällt. Das Sportgericht des DFB verhängte eine neunmonatige Sperre gegen den 30-jährigen Mittelfeldspieler des Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Bei Ziemer, der das Urteil kopfschüttelnd zur Kenntnis nahm, war bei einer am 29. Mai nach dem Bundesligaspiel gegen Freiburg (1:2) vorgenommenen Dopingkontrolle ein erhöhter Testosteronwert nach Einnahme des anabolen Steroids Androstendion festgestellt worden.

Das Gericht unter Vorsitz von Rainer Koch (München) sah es als erwiesen an, dass Ziemer bei der Einnahme von Mitteln billigend in Kauf genommen habe, dass diese Dopingsubstanzen enthielten. "Es spielt keine Rolle, wie die Mittel zugeführt wurden. Er ist des Dopings verantwortlich", hieß es in der Begründung des Urteils, mit dem das Sportgericht dem Antrag des DFB-Kontrollausschuss-Vorsitzenden Horst Hilpert (Bexbach) folgte. Ziemers Rechtsbeistand Christoph Schickhardt, der für seinen Mandanten einen Freispruch gefordert hatte, kündigte Berufung an. "Das Urteil ist ein Hammer. Das Strafmaß fällt völlig aus dem Rahmen und entspricht nicht der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung", sagte der Anwalt aus Ludwigsburg. Offen blieb, ob der DFB auch gegen den "Club" ein Verfahren einleiten wird.

Vor Ziemer waren bisher Roland Wohlfahrt (VfL Bochum/acht Spiele Sperre), Petr Kouba (1. FC Kaiserslautern/vier Wochen Sperre) und Thomas Ernst (VfL Bochum/Freispruch) des Dopings in der Bundesliga überführt worden. Die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) forderte nach Bekanntwerden des Strafmaßes eine Überarbeitung der Dopingrichtlinien. Es bestehe "akut notwendiger Handlungsbedarf".

Nach Bekanntwerden des Ergebnisses der A-Probe am 23. August war Ziemer von seinem Verein sofort suspendiert worden, auch die B-Probe fiel später positiv aus. Ziemer hatte von Beginn an beteuert, nie wissentlich Dopingsubstanzen genommen zu haben. Er habe dem Nürnberger Mannschaftsarzt Heinrich Kirchner und dem Ernährungsberater Herbert Brand blind vertraut und keine Erklärung für den Dopingbefund. Schickhardt bezeichnete den Profi eher "als Opfer denn als Täter", Ziemer sei "das schwächste Glied in der Kette" gewesen. Das DFB-Sportgericht folgte dieser Interpretation jedoch nicht. Der Spieler trage die alleinige Verantwortung für sein Handeln.

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