Sport : Neunzig Minuten mit: Roque Santa Cruz

Stefan Hermanns

Es ist eine seltene Erfahrung, die Roque Santa Cruz, 20 Jahre alt, Nationalspieler für Paraguay und Stürmer bei Bayern München, im Stadion der Freundschaft zu Cottbus macht. Das Spiel wird angepfiffen, und Santa Cruz steht auf dem Feld. Das Spiel wird abgepfiffen, und Santa Cruz steht immer noch auf dem Feld. Seit zwei Jahren spielt er bei den Bayern, es ist sein 51. Bundesligaspiel, und es ist erst das achte Mal, dass er durchspielen darf.

Die "Süddeutsche Zeitung" aus München hat Santa Cruz am Tag vor der Begegnung bei Energie Cottbus ein umfangreiches Porträt gewidmet. Es ging um die Perspektiven eines Spielers, der als jüngster Torschütze in die Bundesligageschichte eingegangen ist und der schon als 17-Jähriger zehn Millionen Mark gekostet hat. "Star, Mitläufer, ewiges Talent?", hat die "SZ" gefragt. Die Antwort nach dem Spiel in Cottbus lautet: Ja.

Der Reporter von der "Bild am Sonntag" gibt Santa Cruz für seinen Auftritt in Cottbus die Note drei. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht gut. Es ist die Note, die man gibt, wenn man nicht so recht weiß, was man geben soll. So ist das häufig bei Santa Cruz. Manchmal wirkt er höflich unentschlossen. Unbeteiligt. Leidenschaftslos. Sein Sturmkollege Claudio Pizarro läuft einmal 40 Meter über den Platz, um sich beim Schiedsrichter zu beschweren - über ein Foul an Robert Kovac. Santa Cruz würde so etwas nie tun.

Am liebsten rennt er, wenn ihm der Ball in den Lauf gespielt wird. In der ersten Halbzeit hat Santa Cruz die beste Chance, als er nach einem feinen Zuspiel von Thorsten Fink auf Tomislav Piplica zueilt, es jedoch nicht schafft, Energies Torhüter zu überwinden. Bei zwei guten Schüssen aus der Distanz kann Piplica zur Ecke klären, und einmal kommt Santa Cruz am langen Pfosten zum Kopfball. Der Winkel ist spitz, und der Ball geht ans Außennetz.

In dieser Saison hat Roque Santa Cruz einen Treffer erzielt. Dabei bleibt es, auch wenn der Sprecher im Stadion ihn zum Schützen des dritten Bayern-Tores ernennt. Es ist eine Fehlinformation. Janos Matyus hat den Ball ins eigene Netz geköpft. Der größte Erfolg in der zweiten Halbzeit ist, als Santa Cruz einen Eckball herausholt. 35 Ballkontakte hat er im Spiel. Für einen Stürmer ist das gar nicht so wenig. Michael Tarnat, sein Kollege aus der Viererkette, kommt auf 81.

Als die 90 Minuten um sind, ist Santa Cruz in einer günstigen Position, um in die Kabine zu verschwinden. Trainer Hitzfeld stoppt ihn und schickt ihn zu den Fans am anderen Ende des Spielfelds. Santa Cruz lässt sich eine Trainingsjacke geben, zieht sie umständlich an, trottet Richtung Mittellinie, gibt Vasile Miriuta die Hand, klatscht drei Kollegen ab. Im Mittelkreis winkt er einmal zu den Fans. Dann dreht er sich um und geht zum Duschen.

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