Sport : Neuseeland im Herzen

Brad Thorn kann im Finale der Rugby-WM seine erstaunliche Karriere krönen

Alexander Hofmann[Sydney]
Ein Mann wie ein Baum. Brad Thorn (l.) will mit Neuseeland Weltmeister werden. Foto: dpa
Ein Mann wie ein Baum. Brad Thorn (l.) will mit Neuseeland Weltmeister werden. Foto: dpaFoto: dpa

Brad Thorn ist ein Mann wie ein Baum. Wie ein ziemlich großer Baum. 1,96 Meter groß, 115 Kilogramm schwer. Er sieht so aus, als brauche er zum Bäumefällen keine Axt, sondern nur seine schaufelartigen, großen Hände. Thorn spielt auf der Lock-Position und ist damit eine der Schlüsselfiguren der neuseeländischen Rugby-Mannschaft im Weltmeisterschaftsfinale am Sonntag (10 Uhr, live Internet bei Sport1 plus für 2,99 Euro) in Auckland gegen Frankreich.

Aber Thorn ist mehr als nur ein Spieler, der immer dort auf dem Feld auftaucht, wo selbst für Rugby besondere Körperlichkeit gefordert wird. Er ist in diesem knüppelharten Sport mit 36 Jahren zum einen ein wahrer Methusalem, und zum anderen ein Wanderer zwischen Rugby-Welten und Nationen. Thorn, der im Alter von acht Jahren mit seinen Eltern von Neuseeland nach Australien übersiedelte, begann dort seine Karriere als Junior und spielte Rugby-League. Diese besondere Spielart des Rugbys ist vor allem in Australien beliebt und kommt ursprünglich aus dem armen Norden von England, wo es sich die Arbeiter nicht leisten konnten, als Amateure beim noblen Rugby-Union ihre Knochen zu riskieren. Rugby-Union hat erst vor rund 15 Jahren Profis zugelassen. In der Vergangenheit haben zwar immer wieder mal Spieler zwischen den verwandten Spielen gewechselt, niemand aber war so erfolgreich wie Thorn.

Mit den Brisbane Broncos gewann er mehrere australische Meisterschaften, spielte für das Bundesland Queensland und Australien (unter anderem gegen Neuseeland). Mit Mitte 20 wechselte er nach Neuseeland zum traditionellen Rugby, gewann auch dort prompt wieder alles, was es zu gewinnen gab, auch auf internationaler Ebene, und wurde schon bald ein „All Black“, die höchste vorstellbare Ehre im Heimatland seiner Mutter. Nach einer erneuten Rückkehr nach Australien und zur Rugby League hat er sich in den vergangenen drei Jahren nur einem Ziel verschrieben: mit Neuseeland Weltmeister zu werden. Wer gesehen hat, wie dieser sonst eher zurückhaltende Musterprofi im Halbfinale gegen Australien jubelte, konnte sehen, wie viel ihm dies bedeutete.

Und im Endspiel gegen Frankreich drückt ihm nun die gesamte Nation von nur gut vier Millionen Neuseeländern die Daumen. Die „All Blacks“ sind hohe Favoriten gegen Frankreich, nachdem sie die Blauen schon in der Vorrunde deutlich besiegt haben. Aber schon zwei Mal haben die Franzosen ihnen bei Weltmeisterschaften alles verdorben, allerdings noch nie ein Finale. Und diesmal scheinen die Neuseeländer besser gerüstet als je zuvor: Die Art und Weise, wie sie die mitfavorisierten Nachbarn Australien im Halbfinale beherrschten, lässt bei ihren Fans die Hoffnung aufkommen, dass sie nach dem bisher einzigen Titel 1987, ebenfalls im eigenen Land, wieder den WM-Titel gewinnen und damit nach Erdbeben, Bergbaukatastrophen und Umweltdesastern endlich einen Grund zum Freuen haben.

Brad Thorn würde im Erfolgsfall endgültig zur lebenden Legende werden, niemand hat eine auch nur annähernd vergleichbare Karriere vorzuweisen. Thorn wird in jedem Fall sein letztes Spiel für die „All Blacks“ bestreiten. Anschließend wird er seine Laufbahn in Japan ausklingen lassen, bevor er endgültig mit dem Rugby aufhört.

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