Neuseeland im WM-Finale gegen Australien : "Rugby bringt alle zusammen"

Haka tanzen ist zwar nicht so sein Ding, Rugby naturgemäß schon. Neuseelands Botschafter über das WM-Finale und die Rivalität mit Australien.

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Auf dem Kriegspfad. Mit dem Haka-Tanz schüchtern die Neuseeländer ihre Gegner ein (hier Tonga). Foto: Reuters
Auf dem Kriegspfad. Mit dem Haka-Tanz schüchtern die Neuseeländer ihre Gegner ein (hier Tonga).Foto: Reuters

Exzellenz, wo sind Sie Samstag um 17 Uhr?

Ich werde das Rugby-WM-Finale in einem Pub schauen, mit meiner Familie.

Werden nur Neuseeländer dort sein?
Nein, es werden auch Australier da sein.

Was glauben Sie, wie wird die Stimmung?
Sehr friedlich, aber sicher auch gespannt.

In Deutschland ist Rugby ein kleiner Sport. Was bedeutet er Ihrem Land?
Es ist für uns wie das Fußball-WM-Finale für Deutschland, mindestens so groß. Ich habe übrigens gehört, dass über drei Millionen Menschen in Deutschland die Rugby-WM verfolgt haben, also da könnte auch hierzulande ein großes Publikum zuschauen. Wir schätzen, dass über eine Million Neuseeländer sich das Viertelfinale gegen Frankreich angesehen haben, bei einer Bevölkerung von 4,5 Millionen. Ich glaube, beim Finale werden es noch mehr.

Ist Rugby Teil der nationalen Identität?
Ja, das geht weit über den Sport hinaus. Der Silberfarn auf dem schwarzen Trikot ist eines der Symbole unseres Landes im Ausland. Mehr als 150 000 Leute in Neuseeland spielen Rugby, mehr als 17 000 davon sind Frauen. Es ist ein Spiel, bei dem alle Teile der Gesellschaft zusammenkommen und -spielen. Und wir ziehen großen Stolz aus den Leistungen der All Blacks.

Sie sind ja auch sehr erfolgreich, wie Australien. Beide waren zweimal Weltmeister.
Ja, wer am Samstag den dritten WM-Titel gewinnt, stellt einen Rekord auf. Wir wären der erste Weltmeister, der seinen Titel verteidigt. Es geht also um eine Menge.

Rod Harris, 49, ist seit 2014 Botschafter Neuseelands in Berlin, auch für Liechtenstein, Schweiz, Estland, Litauen, Lettland und Tschechien. Zuvor war der Jurist Botschafter in Saudi-Arabien. Foto: promo
Rod Harris, 49, ist seit 2014 Botschafter Neuseelands in Berlin, auch für Liechtenstein, Schweiz, Estland, Litauen, Lettland und...Foto: promo

Wie äußert sich die sportliche Rivalität?
Australier und Neuseeländer mögen sich, aber reißen auch eine Menge Witze übereinander. Davon sollte ich hier besser keinen wiederholen (lacht). Wir sind als Land kleiner als Australien, aber wir lieben den Wettbewerb. Australien hat Neuseeland im März im Finale der Cricket-WM geschlagen, die wir zusammen ausgerichtet haben. Wir hoffen, wir können die Bilanz am Samstag ausgleichen. Im Rugby hatten wir 154 Spiele gegen Australien seit 1903, aber wir haben 105 davon gewonnen. Also wir waren da ganz gut bisher. Auch die Spieler kennen und verstehen sich. Aber das Spiel wird dennoch sehr physisch, beide Mannschaften werden sich nichts schenken.

Haben Sie selbst Rugby gespielt?
Fast jeder neuseeländischer Junge und immer mehr Mädchen spielen irgendwann einmal in der Schule Rugby. Ich habe eine Weile gespielt, aber Sie sehen ja die Jungs auf dem Platz, die sind groß, stark und tough. Die Physis hatte ich nicht, also habe ich eher Feldhockey und Cricket gespielt.

Dazu tanzen die großen Jungs auch diesen Tanz, der wirkt ganz schön beeindruckend.
Ja, der ist einschüchternd. Der Haka ist ein traditioneller Tanz der Maori, den sie oft vor einer Schlacht aufgeführt haben, um den anderen Stamm zu verängstigen. Deshalb führen ihn die All Blacks auch vor den Spielen auf, um der anderen Mannschaft zu zeigen, dass sie es ernst meinen.

Können Sie selbst Haka tanzen? Tanzt Ihre Botschaft zur Einstimmung aufs Finale?
Ich war als Diplomat schon Teil eines Haka. Wir haben ab und an Maori-Gruppen als Besucher, die uns einladen mitzumachen. Ich stehe dann meist ganz hinten und überlasse den Experten die erste Reihe. Der Haka erfordert eine Menge Geschick, Kenntnis der Maori-Sprache und -Sitten, um ihn wirklich gut aufzuführen.

Was erwarten Sie vom Spiel?
Jeder Neuseeländer wird mir zustimmen, wenn ich sage: Man darf nie, nie die Wallabies unterschätzen. Die Australier sind ein sehr gutes Team, sie kämpfen bis zur letzten Minute. Neuseeland ist Favorit, wenn man sich die Wettquoten anschaut, aber man weiß nie. Der neuseeländische Premierminister hat schon vorhergesagt, dass die All Blacks 27:12 gewinnen werden. Ich hoffe natürlich, er behält recht.

Und falls nicht?
Die Premierminister beider Länder haben eine Wette untereinander, dass der Verlierer eine Krawatte in den Farben des Siegerlandes im Parlament tragen wird. Da sehen sie, wie wichtig dieses Spiel beiden Ländern ist und dass die freundliche Rivalität bis ganz nach oben reicht.

Haben Sie auch eine Wette mit dem australischen Botschafter laufen?
Das klingt nach einer guten Idee, vielleicht sollte ich das machen.

Lassen Sie es uns wissen, wenn sie eine australische Krawatte tragen.
Ich hoffe, ich werd’s nicht müssen (lacht).

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