Sport : Neustart im Rückspiel

Im ersten Finale der Champions League trennen sich Flensburg und Kiel 28:28

Erik Eggers[Flensburg]

Es war bis zur 49. Minute ein fairer Kampf gewesen, mit maximaler Leidenschaft und viel Herzblut. „Beide Teams haben von Beginn an alles gegeben“, bilanzierte Kiels Trainer Svonimir Serdarusic. Allein der Mut, mit dem die Handballer der SG Flensburg-Handewitt und des THW Kiel im Hinspiel des Champions-League-Finals nach den Bällen hechteten, war schon sehenswert. Und dann schien diese bis dato sportlich faire Partie in einem einzigen Moment, beim Stand von 21:23 für Kiel, zu eskalieren: Als der deutsche Nationalspieler Christian Zeitz einen Tempogegenstoß mit einem Gewaltwurf abschloss und das Flensburger Torwartidol Jan Holpert mit voller Wucht aus zwei Metern am Kopf traf, da hielt es die 6300 Zuschauer in der ausverkauften „Hölle Nord“, der Flensburger Campushalle nicht mehr auf den Sitzen. „Es tut mir leid, ich wollte ihn nicht treffen“, entschuldigte sich Zeitz später, „ich hätte auch lieber ein Tor geworfen.“

Im ersten Schock aber wollte Holpert dem Schützen an die Gurgel, konnte nur mühsam von seinen Spielern zurückgehalten werden. „Danach wurde es ein bisschen hektisch“, sagte Zeitz, noch hitziger, noch spannender, die Emotionen gingen hoch. Am Ende reichte es für die SG Flensburg-Handewitt, da Kim Andersson eine Sekunde vor Schluss mit einem Sprungwurf ausglich, dennoch nur zu einem 28:28 (10:12) gegen den Kieler Erzrivalen. Der besitzt damit die bessere Ausgangslage für das Rückspiel am kommenden Sonntag in der Kieler Ostseehalle.

„Ich denke, wir können trotzdem für das Rückspiel optimistisch sein“, kommentierte Flensburgs Coach Kent-Harry Andersson. Sein THW-Kollege Serdarusic zog ebenfalls ein positives Fazit: „Mit sieben Feldspielern und einem Handball-Rentner ein Remis in Flensburg, das ist ein gutes Ergebnis, aber noch weiß keiner, wer am Sonntag den Pott holt.“ Auch THW-Manager Uwe Schwenker warnte vor einem „ganz gefährlichem Ergebnis“.

Dem THW Kiel war, da dieser auf fünf Verletzte verzichten musste und mit Nikola Karabatic nur noch einen gesunden Rechtshänder im Rückraum zur Verfügung hatte, nur wenig zugetraut worden. Nur acht gesunde Feldspieler hatten die Gäste zur Verfügung – viel zu wenig eigentlich für ein solches Finale im Hochgeschwindigkeitstempo. Zeitz und Andersson wechselten sich auf der wegen Lövgrens Ausfall verwaisten Spielmacherposition ab. Die Antwort, die Serdarusic auf die Malaise in der Offensive gegeben hatte, war zwangsläufig die: maximale Aggressivität in der 6:0-Deckung, auf diese Weise ein paar Bälle erkämpfen und per Tempogegenstoß zu Torerfolgen kommen. Das klappte zunächst nur bedingt. Schnell führte der Gastgeber in Überzahl mit 4:2, dann beim 8:5 erstmals mit drei Toren. Die heißblütigen Fans hofften bereits, dass ihr Team im Hinspiel den entscheidenden Vorteil herauswerfen könne. Vor allem die sensationellen Reflexe des schwedischen Nationaltorhüters Dan Beutler, der in der Anfangsphase 75 Prozent der Kieler Würfe entschärfte, entnervte die Werfer um Kiels Karabatic.

Doch dann kam die unerwartete Wende: Plötzlich steigerte die Kieler Deckung ihr Tempo. Vor allem nach der Pause wirkte Kiel wie eine Maschine – die Zuschauer waren geschockt. Doch Flensburg bäumte sich auf und erholte sich. Vom Zwischenfall mit Zeitz profitierte dann eindeutig die SG, sie glich beim 24:24 (53.) durch Christiansen nach langer Zeit mal wieder aus, führte 14 Sekunden lang per Siebenmeter – und musste sich schließlich mit einem Remis begnügen. Spannender geht es nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben