Neuzugang Andreas Ottl : Hertha als große Herausforderung

Bei Hertha BSC muss sich Andreas Ottl weiterentwickeln, schließlich wird seine Rolle eine andere sein als in München. Der Mittelfeldspieler wird das Spiel stärker als bei den Bayern gestalten können - und müssen.

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Immer im Getümmel. Andreas Ottl (r., hier im Test gegen Basel) wird bei Hertha im zentralen Mittelfeld spielen.
Immer im Getümmel. Andreas Ottl (r., hier im Test gegen Basel) wird bei Hertha im zentralen Mittelfeld spielen.Foto: dpa

Berlin - Die Frage danach, wo er sich als kleiner Bub eine Karriere als Fußballprofi erträumt hat, quittiert Andreas Ottl mit einem Lächeln. Na klar. Wer mit elf Jahren zum FC Bayern München kommt und es später nach oben schafft, der lebt seinen Traum. Hat er nun seine traumhafte Zeit als Profi hinter sich? Im guten Fußballeralter von 26 Jahren musste Ottl die Bayern verlassen, weil sein Vertrag ausgelaufen ist. „Natürlich musste der Gedanken reifen, den Schritt weg aus München zu wagen“, sagt Ottl. „Aber ich sehe das nun als große Herausforderung bei Hertha BSC.“

Andreas Ottl wirkt nicht so, als würde er sich das mit Hertha schönreden. Der junge Mann plaudert gern über die Vorzüge Berlins. Nach 26 Jahren München sei das eine schöne Veränderung, sagt er. Denn die Hertha sei eine gute Adresse, ein Traditionsverein, den er „schon immer verfolgt habe“. Schließlich sei Berlin ja Hauptstadt und das Olympiastadion, wo er heute mit Hertha gegen Real Madrid antritt (18 Uhr, live bei Sport1), ein prima Stadion. Aber ein bisschen unmoderner als die Arena von München, oder? Andreas Ottl schmunzelt und schiebt schnell hinterher, wie „herzlich“ er empfangen worden sei. Die passende Wohnung habe er auch schon.

Dass mit der „Herausforderung“ und Hertha trifft die Situation des gebürtigen Münchners ganz gut. Beim Bundesligaaufsteiger muss sich Andreas Ottl weiterentwickeln, schließlich wird seine Rolle eine andere sein als in München. Der Mittelfeldspieler wird das Spiel stärker als bei den Bayern gestalten können und müssen. Nach den Vorstellungen von Trainer Markus Babbel als Stammspieler und längerfristig. Schließlich hat Ottl einen Drei-Jahres-Vertrag bei Hertha unterschrieben.

Bei den Bayern konnte Ottl zwar als Profi lange das „ernten, was er gesät hatte“, wie Uli Hoeneß als Manager mal sagte. Aber mit der Ernte im bayrischen Starensemble ist das bekanntlich so eine Sache. „Da wird dann eben oft rotiert, weil der Spielerkader so groß ist“, erzählt Ottl. 40, 45 Pflichtspiele. „Das kann man nicht mit den meisten anderen Vereinen vergleichen.“ Viele Höhepunkte hatte seine Karriere trotzdem bei den Bayern, sein größter Moment war wohl, dass er seinen Arbeitgeber 2006 am 33. Spieltag mit einem Tor in Kaiserslautern zum Deutschen Meister machte.

24 Bundesligaspiele hat Ottl bei den Bayern maximal pro Saison bestritten. Bei seinem Zwischenspiel beim 1. FC Nürnberg durfte er dagegen 2010 alle 17 Spiele der Bundesligarückrunde bestreiten, bei Hertha nun hat er die gute Chance, dies in der Hinrunde zu schaffen. Auch wenn der Konkurrenzkampf im defensiven Mittelfeld um die beiden als Sechser firmierenden Positionen groß ist, wird Markus Babbel Ottl nicht zuschauen lassen, sondern dort neben Peter Niemeyer aufstellen. Denn die ehemaligen Bayern im Team, neben Ottl sind das noch Torwart Thomas Kraft und Christian Lell, seien enorm wichtig für Hertha, sagt der ehemalige Bayern-Spieler Babbel. Schließlich hätten sie eine exzellente Ausbildung genossen und könnten mit Drucksituationen bestens umgehen. Außerdem würden sie, sagt Babbel, „nach oben“ denken. Schließlich werden in München prinzipiell Titel erwartet.

Bei Hertha BSC muss Andreas Ottl wohl erst einmal mit „nach unten“ denken. Erreichen heißt etwas verhindern beim Aufsteiger – nämlich den direkten Wiederabstieg. Aber auch ein solches Denken ist Andreas Ottl nicht fremd. „In Nürnberg habe ich ja die andere Seite im Profifußball kennengelernt“, sagt er in ruhigem Ton. Es sei interessant, wie in so einer Situation Nervosität und Anspannung in und um die Mannschaft herum wachsen. Auch das hat Andreas Ottl geprägt. Er hat gelernt, wie so eine existenzielle Krise bewältigt werden kann. Nürnberg ist schließlich seinerzeit nicht abgestiegen.

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