Neuzugang bei Alba Berlin : Niels Giffey will kein Dirk Nowitzki sein

Alba versucht die Euphorie um den Transfer von Niels Giffey gleichzeitig zu schüren und zu dämpfen. Der Neuzugang sagt, er sei kein Dirk Nowitzki.

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Maß genommen. Niels Giffey gewöhnt sich wieder in Albas Trainingshalle ein. Foto: dpa
Maß genommen. Niels Giffey gewöhnt sich wieder in Albas Trainingshalle ein.Foto: dpa

Die blauen Matten waren im Halbkreis ausgelegt, darauf standen Turnbänke. Auch eine Sponsorenleinwand und eine Vereinsfahne waren aufgebaut. Es wirkte wie ein Turnsportfest, das Alba Berlin in seiner Trainingshalle abhielt. Wäre da nicht in der Mitte des Kreises ein Schreibtisch gewesen, an dem Niels Giffey saß und die Umsitzenden anblickte.

Schon öfter hat der Verein zur Präsentation eines Neuzugangs ins Trainingszentrum geladen, aber selten waren Aufbau und Andrang so groß. Nun gut, groß, das heißt im Basketball ein gutes Dutzend Reporter, einige sogar mit Kamera. Genug, um den Hallenboden besser mit Turnmatten vor den dunklen Sohlen zu schützen.

Da saß Giffey also leicht gejetlagt und erzählte: „Ich bin nicht der beste Einzelspieler, am effektivsten bin ich im Mannschaftsspiel. Ich bin kein Dirk Nowitzki.“ Die Präsentation sprach eine andere Sprache. Fragesteller redeten von einem Hype um den neuen Franchise Player, um den das Team künftig aufgebaut werde.

Alba ist mächtig stolz auf seinen Transfer, der nicht sportlich, sondern auch für das Image ein Gewinn sein soll. Die Euphorie zu schüren und gleichzeitig zu dämpfen, wird da zum Spagat. „Es war nicht selbstverständlich, ihn zu bekommen“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi. Nationalspieler Giffey war zweimal College-Meister in Connecticut, traf Barack Obama, spielte bei NBA-Teams vor, war von Klubs aus ganz Europa umworben. Das öffentliche Interesse an dem 23-Jährigen ist da größer als beim handelsüblichen US-Amerikaner oder Neuzugang aus dem ehemaligen Jugoslawien. Der Junge aus dem Prenzlauer Berg kehrt zurück zu seinem Jugendverein, eine schöne Geschichte. Vor allem hat Alba nun wieder ein deutsches Gesicht, eine Identifikationsfigur, wie sie mit Heiko Schaffartzik und Sven Schultze zuletzt verloren ging.

„Aber er ist kein Messias, der hier gleich 40 Punkte pro Spiel macht“, warnt Baldi vor zu hohen Erwartungen. Auch Giffey wirbt um Geduld. „Die kommende Saison ist mein erstes Profijahr, es wird Aufs und Abs geben.“ Der blonde Zweimetermann wirkt reifer als noch beim Abschied vor vier Jahren, aus dem schluffigen Nachwuchsspieler ist ein wacher, selbstbewusster junger Mann geworden. Dennoch sagt er: „Dass ich gleich 30 bis 40 Minuten im Schnitt spiele, ist unrealistisch.“ Auch seine Perspektiven auf die NBA, für die er eine Ausstiegsklausel im Dreijahresvertrag besitzt, schätzt er nüchtern ein. In der besten Liga der Welt könne er zwar als Rollenspieler unterkommen, zuständig für Dreipunktewürfe und Defensivarbeit. Bei Alba wird er dafür öfter den Ball in den Händen halten, darauf freut er sich. Und darauf, nicht mehr wie in den letzten Monaten in Hotels, Wohnheimen und Trainingscamps zu leben, sondern erstmal bei den eigenen Eltern. Auf die Nationalmannschaft verzichtet er daher diesen Sommer.

Dennoch gilt er als eines der hoffnungsvollsten deutschen Talente. „Er passt in unser Konzept, junge Spieler zu holen, die hart an sich arbeiten“, sagt Baldi. Vor allem aber ist Giffey eine Ehrenrettung für Albas Jugendarbeit. „Er ist der erste aus unserem Riesenprogramm, der den Sprung zu den Profis schafft.“ Wenn auch über Umwege wie einst Schaffartzik. „Da werden in den nächsten Jahren noch einige Talente an die Tür klopfen“, kündigt Baldi an. Auch wenn drinnen noch kein Turnfest auf sie wartet.

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