• New York oder Bayern München - der Rekord-Nationalspieler ist hin- und hergerissen

Sport : New York oder Bayern München - der Rekord-Nationalspieler ist hin- und hergerissen

Mathias Schneider

Lothar Matthäus hat seine sportliche Zukunft in die Hände der beiden um ihn buhlenden Klubs Bayern München und New York MetroStars gelegt. "Es haben noch keine Gespräche stattgefunden. Die beiden Vereine sind gefordert. Es können nur die Vereine und der US-Verband entscheiden", erklärte der Rekord-Nationalspieler, nachdem der US-Klub tags zuvor eine Freigabe für ein längeres Bayern-Engagement des Liberos von weiteren Gesprächen abhängig gemacht hatte. MetroStar-Manager Charlie Stillitano kündigte einen Besuch in München an.

Matthäus geht davon aus, dass die beiden Vereine in den nächsten Tagen Verhandlungen aufnehmen. Nach tagelangen Spekulationen um seine Person wirkte er sichtlich genervt. Er selbst habe in New York angerufen und alles geregelt, erklärte Matthäus, der auf seinen zum 1. Januar in Kraft tretenden Vertrag beim Klub der amerikanischen Soccer League verwies. Damit könnten die beiden Vereine "eh über meinen Kopf hinweg entscheiden". Einmal mehr verdeutlichte der Nationalspieler seine Bereitschaft, mindestens bis März beim Rekordmeister zu bleiben, signalisierte andererseits aber: "Ich habe auch nichts dagegen, richtig Urlaub zu machen im Winter."

Nach der Verletzung von Thomas Strunz und der Sperre von Jens Jeremies in der Champions League hatte Matthäus kurzfristig angeboten, länger als bis zur Winterpause bei den Bayern zu helfen.

Die Amerikaner hatten in der Nacht für neue Verwirrung gesorgt. Generalmanager Charlie Stillitano von den Metro Stars erteilte allen Plänen für einen verspäteten Einstieg in die Punktspielrunde eine Absage. "Wir haben niemals eine solche Erlaubnis erteilt und werden das auch nicht tun", sagte er. Auch Matthäus kann sich "nicht vorstellen, dass die Amis bis zum Saisonende zustimmen". Immerhin ließ der mächtige Mann der MetroStars durchblicken, dass sein Klub angemessen reagieren werde, wenn die Bayern einen offiziellen Antrag stellten. Auch mit den Liga-Verantwortlichen, mit denen Matthäus den Vertrag unterzeichnet hat, sei schon gesprochen worden. Allerdings pochten auch die auf die Einhaltung der Vereinbarung. Dienstantritt damit: 20. Februar.

Nun soll den Major-League-Entscheidungsträgern ein Kompromiss mit einem Matthäus-Debüt bis Mitte März schmackhaft gemacht werden. "Das würde auch dem neuen Verein zu Gute kommen. Dann würde ich mit Spielpraxis nach Amerika kommen", erklärte Matthäus. Durch eine Ausdehnung seines Auflösungsvertrages bei den Bayern stünde der Abwehrorganisator dem Deutschen Meister in den beiden Champions-League-Partien gegen Real Madrid am 29. Februar und 8. März noch zur Verfügung. In beiden Spielen müssen die Bayern noch auf Jeremies verzichten, der wegen einer Tätlichkeit in der Partie gegen Eindhoven für fünf Partien gesperrt wurde.

Zwar erklärte Manager Uli Hoeneß, der Klub werde sich ein Entgegenkommen der Amerikaner keinesfalls erkaufen, doch zumindest Trainer Ottmar Hitzfeld hofft weiter "auf die spielerisch und taktisch beste Lösung" - und die gibt es nur mit Matthäus. Hitzfeld: "Dann brauche ich die Mannschaft nicht umstellen. Ich wäre zu allen Lösungen über den 31. Dezember hinaus bereit." Wie die Formation und Taktik seiner Abwehrreihe im Falle einer fristgerechten Matthäus-Demission aussehen wird, ließ der Trainer offen. "Das hängt davon ab, welche Spieler man bekommt und wer günstig zu haben ist", sagte Hitzfeld, der auf ein Finanz-Volumen von unter 10 Millionen Mark verwies. "Wir sind aktiv und beobachten permanent den Markt."

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