Neymar : Juwel mit Punkfrisur

Brasiliens Talent Neymar wird von europäischen Topklubs umgarnt, bei der Copa blieb er bisher glücklos

Tobias Käufer
Laut Maradona ein Rotzlöffel. Brasiliens Stürmer Neymar muss mit seinem Team bei der Copa gegen Ekuador gewinnen. Foto: AFP
Laut Maradona ein Rotzlöffel. Brasiliens Stürmer Neymar muss mit seinem Team bei der Copa gegen Ekuador gewinnen. Foto: AFPFoto: AFP

In Endspielen war auf Neymar da Silva Santos Júnior – genannt Neymar – bislang Verlass. Vielleicht ist der 19 Jahre alte Stürmer vom brasilianischen Traditionsklub FC Santos für die knifflige Aufgabe des bislang sieglosen Brasilien bei der Copa America in Argentinien am Mittwoch gegen Ekuador deshalb genau der Richtige. Für den fünffachen Weltmeister geht es im Estadio Mario Alberto Kempes in Cordoba im abschließenden Gruppenspiel um den Einzug ins Viertelfinale. Dort steht Argentinien nach dem 3:0 über Costa Rica bereits, Brasilien aber braucht dazu gegen das ebenfalls noch erfolglose Ekuador einen Sieg. „Ich bin hierhin gekommen, um das zu spielen, was ich bei Santos gezeigt habe. Das Schönste, was es gibt, ist sein Land als Fußballer zu vertreten“, sagt der Mann mit der Punkfrisur, auf dessen Schultern die Zukunftshoffnungen der brasilianischen Fans liegen.

Bei all seinen bisherigen vier Titeln erzielte der selbstbewusste Neymar in den jeweiligen Endspielen mindestens ein Tor. Mit dem FC Santos begann 2010 seine Titelsammlung. In der ersten Jahreshälfte wird die riesige Fußball-Nation auf das Juwel aufmerksam, als der FC Santos die Campeonato Paulista, die Bundesland-Meisterschaft von São Paulo, einfährt. Wenig später folgt der brasilianische Pokalsieg (Torschützenkönig des Wettbewerbs mit elf Treffern) und 2011 dann die erneute Paulista-Meisterschaft.

Endgültig zum Star stieg Neymar dann unmittelbar vor der Copa America auf, als er den Pelé-Klub Santos nach fast 50 Jahren wieder den Gewinn der Copa Libertadores – dem südamerikanischen Pendant zur Champions League – bescherte und damit selbst Pelé zu Tränen rührte. Neymars Torquote ist beeindruckend: In bislang 136 Spielen für Santos erzielte er 67 Tore.

Auch im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft läuft es bislang nach Wunsch: Neymar führte die U20-Nationalmannschaft Brasilien zu Jahresbeginn zur Südamerika-Meisterschaft und wurde mit neun Treffern Torschützenkönig des Turniers. Eigentlich sollte gleich nach der Copa America auch noch die Teilnahme an der U20-WM in Kolumbien im August folgen, doch im brasilianischen Lager hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nach all den Spielen eine Pause vielleicht angebracht wäre.

Bei der Copa America ist Neymar bislang ins Stocken geraten. Gegen Venezuela (0:0) und Paraguay (2:2) blieb er glücklos. Dabei hatten die lateinamerikanischen Medien die Südamerika-Meisterschaft längst zu einem Duell zwischen Lionel Messi (Argentinien) gegen Neymar (Brasilien) erkoren. Es könnte eines der spannendsten Duelle der Zukunft werden, wenn Neymar unter der Last der Erwartungshaltung in seinem Heimatland nicht zusammenbricht. Die Liste der interessierten europäischen Top-Klubs ist lang: Real Madrid, FC Barcelona, FC Chelsea, Manchester City und Roberto Carlos’ Klub FK Anschi Machatschkala aus der russischen Teilrepublik Dagestan wedeln mit den Geldbündeln. Wo Neymar am Ende landen wird, ist offen, seine Ablösesumme ist auf 45 Millionen Euro festgeschrieben.

Manchmal scheint aber das Tempo, mit dem Neymar an die Weltspitze stürmt, für ihn selbst zu schnell. Mitte Juni ließ er die staunende Öffentlichkeit wissen, man könne auch in Brasilien zum Weltfußballer gewählt werden. Für die argentinische Fußball-Legende Diego Maradona ein bisschen zu viel des Guten: „Dieser Junge ist ein Rotzlöffel, er hat keinen Respekt, wie Pelé. Messi aber ist außergewöhnlich.“ Mittlerweile ruderte Neymar zurück und erkannte Messi als unumstrittenen Platzhirsch an: „Wenn ich eines Tages sein Niveau erreichen kann, werde ich ein glücklicher Mann sein.“

Zunächst aber haben Brasilien und Neymar das Problem Ekuador zu lösen. Gelingt dies nicht, werden im Gastgeberland der WM 2014 die Diskussionen um Trainer Mano Menzenes erst richtig losbrechen. Ein Viertelfinale der Copa America ohne Titelverteidiger Brasilien ist eigentlich undenkbar. Neymars Qualitäten in diesem Gruppen-Endspiel werden dringend gebraucht.

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