NHL-Finale : Jugend schlägt Routine

Der erst 21 Jahre alte Sidney Crosby führt die Pittsburgh Penguins gegen die Detroit Red Wings zur NHL-Meisterschaft. Es ist auch ein Erfolg des Systems.

Katrin Schulze
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Kanadischer Kindheitstraum Sidney Crosby stemmt den Stanley Cup.Foto: AFP

Wie schwerelos doch 16 Kilogramm sein können. Sidney Crosby streckte den blank polierten Stanley Cup in Höhe, als wäre er eine federleichte Glückwunschkarte. Zwei etwas betagtere Männer hatten sich zuvor noch mit der Trophäe abgeschleppt. Und nun kurvte der junge Bursche mit ihr unbeschwert über das Eis der Detroiter Arena. Es war der symbolische Ausdruck für etwas ganz Großes. Crosby hatte mit den Pittsburgh Penguins nach einem 2:1-Sieg gegen die Detroit Red Wings soeben die Meisterschaft in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL geholt. Ein ebenso überraschender wie historischer Triumph.

Kaum ein Eishockey-Experte in Nordamerika hatte vor dem siebten und entscheidenden Finalspiel gegen Detroit auf die Penguins gesetzt. Denn seit 1971 war es in der NHL keiner Mannschaft mehr gelungen, einen 0:2-Rückstand in einer Finalserie noch zu drehen und die siebte Partie auswärts zu gewinnen. Nun schaffte das dieses junge aufsässige Team aus Pittsburgh, das noch in der vergangenen Saison im sechsten Spiel an eben jener erfahrenen und erfolgsverwöhnten Mannschaft aus Detroit gescheitert war. „Es ist unglaublich“, sagte Sidney Crosby. „Davon träumt jedes Kind in Kanada.“

Es ist noch nicht lange her, da war Crosby selbst noch ein Kind. Mit gerade mal 21 Jahren führte er nun Pittsburgh als jüngster Kapitän der NHL-Geschichte zur Meisterschaft. Einer seiner ersten Gratulanten war Crosbys einstiges Idol Mario Lemieux, der 1991und 1992 zwei Titel mit Pittsburgh geholt hatte und den Klub mittlerweile besitzt. Howe, Gretzky, Lemieux: Das sind die legendären Namen der NHL-Vergangenheit. Einer soll bald hinzukommen: Sidney Crosby bewirbt sich aussichtsreich um eine Fortsetzung der ruhmreichen kanadischen Tradition in der NHL. „The next one“ rufen sie ihn – in Anlehnung an „the great one“, den großen Wayne Gretzky.

Dabei drohte Crosby am Freitag fast zur tragischen Figur zu werden. Zu Beginn des zweiten Drittels verletzte er sich nach einem harten Bandencheck so schwer am linken Knie, dass er danach nur noch zu sporadischen Einsätzen kam. So musste eben ein anderer die Tore machen. Maxime Talbot traf im Mittelabschnitt zweimal, in der Rolle des Matchwinners fühlte er sich trotzdem nicht wohl. „Sidney ist das Herz und die Seele der Pittsburgh Penguins. Jeder weiß das“, sagte Talbot nach dem Spiel. Crosbys 31 Scorerpunkte in den Play-offs belegen die freudetrunkenen Aussagen seines Mitspielers. Nur einer kam auf mehr: Crosbys 22 Jahre alter russischer Kollege Jewgeni Malkin, der als wertvollster Spieler ausgezeichnet wurde. Malkin und Crosby sind die jungen Führungsspieler der unverbrauchten Mannschaft.

Der Erfolg der Penguins ist nämlich auch ein Erfolg des Systems. Von Spiel zu Spiel der Best-of-seven-Serie holte die Dynamik und Spritzigkeit aus Pittsburgh mehr und mehr gegenüber der Kompetenz und Erfahrung aus Detroit auf. Die Perspektive für das Team der Pittsburgh Penguins könnte kaum besser sein. „Diesen Erfolg wiederholen wir nächstes Jahr“, sagte Maxime Talbot. „Aber erst einmal genießen wir den Moment.“ Es wird ihnen nicht schwer gefallen sein.

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