NHL : Keine Lust auf Olympia

Abschied in Vancouver? Die NHL will ihre Spieler nicht mehr zu olympischen Eishockeyturnieren lassen. Nicht profitabel, wenn die Sendezeit nicht stimmt, lautet das Urteil. Auch russische NHL-Profis dürften dann nicht in Sotschi starten - dagegen protestiert mittlerweile die russische Regierung.

Claus Vetter
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Washingtons Star Alexander Owetschkin (r.) will Russland um jeden Preis auch bei Olympia 2014 vertreten.Foto: AFP

Berlin - Im November hat Sidney Crosby die olympische Flamme durch Halifax getragen. Es war ein Mordsauflauf, den der zurzeit populärste kanadische Eishockeyprofi da unweit seiner Heimatstadt verursachte. Kein Wunder, im Februar sind die Olympischen Winterspiele in Vancouver und im eishockeyverrückten Kanada ist ohnehin klar, welche Sportart bei den Spielen für die Einheimischen im Vordergrund steht: das Eishockeyturnier mit den besten Spielern der Welt. Es könnte allerdings das letzte Olympia-Turnier mit den besten Eishockeyprofis sein. Denn die National Hockey League (NHL) hat nun angekündigt, dass sie künftig ihre Saison nicht mehr für Olympia unterbrechen will.

Gary Bettman, der Commissioner der NHL, hat nun klar gemacht, wie wenig Wert seine Liga auf Olympia außerhalb Amerikas liegt. „Wir profitieren ganz anders von Olympischen Spielen in Nordamerika, als wenn sie in Japan, Italien oder Russland ausgetragen werden. Eishockeyspiele 2014 in Sotschi werden hier nicht zur besten Sendezeit übertragen. Ich bin mir nicht sicher, ob es das ist, was wir uns erhoffen, wenn wir dafür extra unseren Spielplan unterbrechen.“

Russlands Regierung macht Druck auf die NHL

Demnach würden bei den Spielen in Sotschi 2014 nur noch Spieler aus europäischen Ligen bei Olympia antreten. So, wie das vor den Spielen 1998 in Nagano der Fall war. Damals traten die Kanadier erstmals mit einer NHL-Startruppe um Wayne Gretzky an. „Man muss das aus Sicht der NHL verstehen, das ist ein Millionengeschäft“, sagt Don Jackson, heute Trainer bei den Eisbären Berlin und einst Mitspieler von Gretzky bei den Edmonton Oilers. „Mit Olympia verdient die Liga kein Geld, mit den Spielen in der NHL dagegen schon.“ So sieht es aus: Viele Besitzer der NHL-Klubs sehen keinen Vorteil darin, mitten in der besten Saisonzeit den Spielbetrieb einzustellen.

In Russland allerdings ist die Aussicht auf Olympia  ohne Superstars aus der NHL eine trübe Angelegenheit. Die russische Regierung hat über ihre Botschaft in Kanada den Druck auf die NHL verstärkt, die besten Russen bei den Winterspielen in Sotschi auflaufen zu lassen. Auch bei den russischen Profis regt sich Widerstand gegen das NHL-Verbot. „Wenn mir jemand sagt, dass ich nicht für mein Land bei Olympia spielen darf, sage ich tschüss“, hat Alexander Owetschkin, der vielleicht beste NHL-Spieler von den Washington Capitals, bereits angekündigt.

Zur WM in Deutschland werden die Stars wohl kommen

Olympische Eishockeyturniere haben vor 1998 schon mit der Abstinenz der besten Spieler leben müssen, bei den immer im Mai stattfindenden Weltmeisterschaften dagegen laufen seit Jahren zumindest die Spieler auf, die nicht mehr in den Play-offs der NHL beschäftigt sind. Für die im Mai 2010 in Deutschland stattfindende WM wird daher trotz Olympia ein gut besetztes Turnier erwartet. „Ich bin mir sicher, dass die NHL-Stars zur WM kommen werden. Wer schlecht bei Olympia war, will sich bei der WM rehabilitieren“, sagt Henner Ziegfeld, Leiter Marketing und Kommunikation beim WM-Organisationskomitee. „Die Schweden wurden 2006 Olympiasieger und kamen dann mit einer starken Mannschaft zur WM, weil sie unbedingt das Double wollten – was sie dann auch geschafft haben.“

Das könnte kommendes Jahr auch für die Kanadier gelten, die beide Titel gewinnen wollen. Für Vancouver hat Sidney Crosby schon mal ein Spektakel der Superlative angekündigt. Der Kapitän vom NHL-Champion Pittsburgh Penguins sagt: „Das wird unglaublich“. Vielleicht zum ersten und letzten Mal bei Olympia.

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