NHL ohne Leon Draisaitl : Rückschlag als Herausforderung

Die Saison in der National Hockey-League beginnt und Deutschlands größtes Eishockeytalent darf bei den Edmonton Oilers nicht mitspielen: Ein Kommentar zum Karriereknick von Leon Draisaitl.

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Zu selten drin. Eins von bisher nur zwei Toren, die Draisaitl in der NHL erzielen konnte.
Zu selten drin. Eins von bisher nur zwei Toren, die Draisaitl in der NHL erzielen konnte.Foto: AFP/Riedlhuber

Leon Draisaitl hat Pech. Oder? Fast eine Saison lang hat er gerackert in der Western Hockey League (WHL). Stand im Finale, wurde als wertvollster Spieler geehrt. Und nun  das: Die Edmonton Oilers wollen das womöglich größte deutsche Eishockeytalent seit Erfindung des Pucks  nicht in ihrem Kader für die Saison in der National Hockey-League (NHL), die diese Woche beginnt. Dabei hatte er in der Vorbereitung doch fast durchweg in der dritten Reihe gespielt. Doch statt für die Oilers muss muss Draisaitl bei den Bakersfield Condors in der unterklassigen American Hockey-League (AHL) stürmen. Die sind aber dumm, die Oilers, oder? Warum bitte schön haben sie den Draisaitl vor gut einem Jahr an dritter Stelle gedraftet, sich so früh im sogenannten Draft die Rechte an dem Kölner gesichert. Damit er in der Reservemannschaft spielt?

Um das Gute vorweg zu nehmen: Die Abschiebung in das Farmteam ist nicht gleichbedeutend mit dem Karriereende für Leon Draisaitl. Der junge Mann wird in wenigen Tagen erst 20 Jahre alt, sehr wahrscheinlich wird der Sohn des einstigen Nationalstürmers Peter Draisaitl diese Saison seine Chance in der NHL bekommen. Schon vergangene Saison hatte er ja 37 Spiele für die Oilers machen können. Womöglich liegt seine Nichtberücksichtigung für den NHL-Kader beim vor sich hin dümpelnden Klub aus Kanada auch in internen Dingen begründet. Womöglich wollen die Oilers Draisaitl auch irgendwie loswerden, das heißt tauschen. Womöglich gefällt dem Trainergespann die Entwicklung von Draisaitl nicht, sehr wahrscheinlich können sie ihn einfach nicht brauchen. Zur Zeit.

Für Draisaitl ist das schon ein erster Karriereknick. Da kann ihn ein Marco Sturm („Wir dürfen nicht vergessen: Er ist immer noch ein sehr, sehr junger Spieler.“) nun trösten, wie er will. Der neue Bundestrainer hat mit 19 Jahren bereits einen Stammplatz in der NHL gehabt und als Sturm so alt war, wie Draisaitl in ein paar Tagen wird, da hatte der Bayer  eine komplette Saison bei den San Jose Sharks hinter sich gebracht. Das wird Draisaitl in seinem Alter nicht mehr schaffen.

Vielleicht ist da ein große Talent auch einfach mit zu viel Erwartungen überhäuft worden: Ein deutscher Wayne Gretzky wird Draisaitl wohl nie werden, vielleicht auch nicht der große Anführer der deutschen Nationalmannschaft bei der Heim-Weltmeisterschaft 2017 – was ja schon jetzt unsinnigerweise von ihm erwartet wird. Draisaitl sollte vielleicht auch schauen, welcher Deutsche zuletzt den Durchbruch in der NHL geschafft hat: Tobias Rieder, ein solider Rollenspieler. Zum Star der ersten Sturmreihe – und dafür ist Draisaitl prädestiniert – ist der Weg eben länger als in die dritte Reihe der Phoenix Coyotes.

Leon Draisaitl sollte Bakersfield, sollte den Rückschlag als Herausforderung sehen. Dort sollte er erwachsen werden, dort kann er - Leon Draisaitl werden. Ein guter Eishockeyprofi, an dem sie irgendwann nicht vorbeikommen in der NHL.

 

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